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Medwedew warnt vor Geschichtsfälschung

Stalin-BusGroßansicht
Moskau (dpa) - Vor der zentralen Gedenkfeier zum 65. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland am 9. Mai in Moskau hat Kremlchef Dmitri Medwedew eindringlich vor einer «Fälschung der Geschichte» gewarnt.

«Manchmal wird der Sieg über die Faschisten vor allem als Ergebnis der zweiten Front präsentiert, die die Alliierten im Westen eröffnet hatten», sagte Medwedew in einem Interview mit der Moskauer Zeitung «Iswestija» (Freitag). «In Wahrheit» hätten aber die deutschen Truppen ihre entscheidenden Niederlagen an der Ostfront im Kampf gegen die Sowjetunion erlitten, sagte der Präsident. «Ohne diese riesigen Opfer der Roten Armee wäre Europa heute kein moderner, blühender Kontinent. Es wäre wahrscheinlich ein großes Konzentrationslager.»

Den Sowjetführer Josef Stalin (1879-1953) bezeichnete Medwedew als Verbrecher. Die damalige Führung in Moskau habe das Land sicher voranbringen wollen, allerdings habe Stalin «massenhaft nicht zu verzeihende Verbrechen» am eigenen Volk begangen. Medwedew kritisierte Initiativen in Russland, vor den Feiern an diesem Sonntag den öffentlichen Raum mit Porträts des Diktators zu schmücken. «Wir (im Kreml) werden keinesfalls Symbole wie etwa Stalin-Plakate verwenden.» Er halte die Rückkehr des Stalinismus in das russische Alltagsleben für «absolut ausgeschlossen».

Vor der gewaltigen Militärparade am 9. Mai auf dem Roten Platz, zu der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet wird, warnte Medwedew vor einer Idealisierung der 1991 zerbrochenen Sowjetunion. «Die Sowjetunion war ein sehr kompliziertes Gebilde, und man kann das Regime nicht anders als totalitär nennen», sagte der Kremlchef. Damals seien «elementare Rechte und Freiheiten unterdrückt» worden. Medwedew sprach sich auch für eine völlige Öffnung der Archive über den Zweiten Weltkrieg aus. «Es ist höchste Zeit dafür.»

Geschichte / Russland
07.05.2010 · 09:56 Uhr
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