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Medwedew fordert Schutz für kritische Journalisten

Ein Kameramann filmt die Stelle in Moskau, an der der russische Journalist Oleg Kaschin niedergeschlagen wurde. Kremlchef Medwedew will Journalisten nun besser schützen lassen.Großansicht

Moskau (dpa) - Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat nach dem blutigen Überfall auf den prominenten politischen Journalisten Oleg Kaschin erstmals einen Schutz für Reporter gefordert.

Wegen der herausragenden gesellschaftlichen Bedeutung ihrer Arbeit müsse sie der Staat besser schützen als andere Berufe. Das sagte Medwedew am Montag nach Angaben der Agentur Interfax bei einem Treffen mit Journalisten der Regierungszeitung «Rossijskaja Gaseta». In Russland werden jedes Jahr Dutzende Journalisten Opfer brutaler Überfälle. Die EU und internationale Organisationen verurteilten die jüngste Bluttat.

Medwedew zeigte sich zugleich überzeugt, dass der versuchte Mord an dem kritischen «Kommersant»-Reporter Kaschin aufgeklärt werde. «Journalisten sind Menschen, die sich in einer erhöhten Gefahrenzone bewegen», räumte Medwedew ein. Weil sie die Wahrheit über Menschen und Vorgänge im Land erzählten, seien sie einem hohen Risiko ausgesetzt. «Die Regierung sollte sich aufmerksamer gegenüber der beruflichen Arbeit von Journalisten verhalten», sagte er. Es sei Aufgabe des Staates, ihre Sicherheit zu gewährleisten, selbst wenn die Wahrheit oft unangenehm sei - auch für ihn selbst.

Medwedew reagierte damit zum ersten Mal in dieser Deutlichkeit auf Forderungen an den russischen Staat, freie und ungehinderte Berichterstattung zu ermöglichen. Russische Medien beklagen seit Jahren einen eher zunehmenden Druck durch die Behörden. Die EU verurteilte den Angriff auf Kaschin als neuen Versuch, Journalisten in Russland mundtot zu machen.

Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und die Organisation Reporter ohne Grenzen verlangten mehr Sicherheit für die Journalisten sowie die Aufklärung zurückliegender Verbrechen. Zu den bekanntesten Fällen gehört der Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja, die 2006 vor ihrer Wohnung erschossen wurde.

Der bei einem Mordanschlag in Moskau fast zu Tode geprügelte Kaschin lag am Montag weiter im Koma. Die Staatsanwaltschaft rief Augenzeugen und Medien auf, bei der Aufklärung des Verbrechens zu helfen. Auch in den Unterlagen des Reporters der liberalen Tageszeitung «Kommersant» werde nach Hinweisen auf die Täter gesucht, sagte Behördensprecher Wladimir Markin. Zwei Männer hatten dem 30- Jährigen Kiefer, Beine und Finger gebrochen und ihm eine schwere Gehirnerschütterung zugefügt.

Moskaus Medien widmeten dem Überfall mitunter ganze Sonderseiten. In den Beiträgen ging es auch darum, dass sich Kaschin mit seiner Kritik an den undemokratischen Zuständen in Russland viele Feinde gemacht habe. Kaschins Zeitung «Kommersant» erinnerte daran, dass die als radikal verschriene kremltreue Jugendbewegung Naschi ein Foto des Reporters veröffentlicht hatte mit einem Aufruf, ihn zu bestrafen. Mehrere Medien veröffentlichten im Internet ein Video von dem Überfall. Zu sehen ist, wie zwei Männer zwei Minuten lang auf Kaschin einprügeln, bevor sie vom Tatort flüchten. Im Moskauer Vorort Schukowski wurde in der Nacht zum Montag erneut ein Journalist von zwei Männern bewusstlos geschlagen und ausgeraubt.

Kriminalität / Medien / Russland
08.11.2010 · 16:53 Uhr
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