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Medwedew fordert Gleichberechtigung Russlands

Russlands Präsident MedwedewGroßansicht
Moskau (dpa) - Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat vor seinem Deutschland-Besuch an diesem Montag dazu aufgerufen, sein Land in Europa endlich als gleichberechtigten Partner zu akzeptieren: «Unsere Werte sind dieselben wie bei Ihnen (im Westen)».

Das sagte der Kremlchef im Interview mit dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Er sehe keinen großen Unterschied in Sachen Freiheit und Menschenrechte, vor allem nicht im Vergleich zu den neuen EU-Mitgliedern. «Sie sind in puncto politischer Kultur und wirtschaftlicher Entwicklung keinen Deut besser.» Medwedew bedauerte vor seiner Teilnahme an den Feiern zum 20. Jahrestag des Berliner Mauerfalls, dass sich einige Hoffnungen Russlands von damals nicht erfüllt hätten.

Medwedew erinnerte an die «dramatischen» Folgen des Endes der DDR für sein Land und die Sowjetunion. Sehr viele Russen hätten das Gefühl, damals ihr Land verloren zu haben. «Der Zusammenbruch hat alle erschüttert, die in der Sowjetunion lebten unabhängig davon, ob sie den Zerfall des Staates als persönliche Katastrophe empfanden oder als Folge der Herrschaft der Bolschewisten.» Ein Volk, das über Jahrzehnte und zum Teil Jahrhunderte eine Einheit gewesen sei, habe sich sich plötzlich in unterschiedlichen Ländern wiedergefunden. «Kontakte mit Verwandten und Angehörigen waren gekappt.»

Der russische Präsident verurteilte in dem Interview erneut die Massenmorde an der Bevölkerung unter dem Sowjetdiktator Josef Stalin ausdrücklich als «Verbrechen». Medwedew wiederholte auch seine Kritik an den russischen Zuständen: Die verbreitete Korruption, Wahlfälschungen und die starke Abhängigkeit vom Rohstoffhandel, die zu der Illusion von wirtschaftlicher Stabilität führe. «Der Handel mit Gas und Öl ist unsere Droge: Man braucht immer mehr davon, besonders wenn die Preise explodieren», sagte Medwedew. Er setzte sich für eine Diversifizierung der Wirtschaft ein.

Zu den Abrüstungsverhandlungen mit den USA, die auf Expertenebene an diesem Montag in Genf fortgesetzt werden, sagte Medwedew, es gebe alle Chancen, bis Jahresende ein neues Abkommen über die Reduzierung der strategischen Nuklearwaffen zu unterzeichnen. Beide Seiten würden ein ordentliches Tempo vorlegen. Medwedew sprach zudem erneut von der Möglichkeit von Sanktionen gegen den Iran, sollten die Gespräche über Teherans Atomprogramm nicht vorankommen. Im Fall Afghanistan sieht er die Gefahr, dass die westliche Allianz dort wie einst die Sowjetunion scheitern könnte. Gelinge es nicht, einen funktionierenden Staat aufzubauen, gebe es nie Stabilität - egal, wie viele ausländische Truppen dort kämpften, sagte Medwedew.

International / Russland
07.11.2009 · 15:29 Uhr
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