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Medienpsychologin: Medial geteilte Trauer ist Ventil

TrauerfeierGroßansicht
Hamburg/Dresden (dpa) - Der Sarg im Mittelkreis, ein Stadion voller Trauer und Millionen Menschen vor den Fernsehgeräten: Große öffentliche Trauerfeiern wie die für Robert Enke haben nach Ansicht der Medienpsychologin Katrin Döveling eine Art Ventil-Funktion.

«Unsere individualisierte Gesellschaft schafft sich mediatisierte Räume für Gemeinschaft und kollektive Gefühle», sagte die Berliner Wissenschaftlerin, die Expertin für das Phänomen der Massentrauer ist, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zurzeit ist Döveling Professorin an der TU Dresden.

Neben Menschen wie Prinzessin Diana, dem Papst oder Michael Jackson gehören Profi-Sportler wie Robert Enke zu den wenigen, die zu Lebzeiten, aber auch nach ihrem Tod, breiten Massen als «Symbolfiguren» und «Projektionsfläche» dienten, sagt Döveling. «Vor allem Fußballer haben das Potenzial, die Massen zu emotionalisieren.»

Da Medien es schafften, auch zu Prominenten, die man gar nicht kenne, eine Vertrautheit aufzubauen, sei es auch möglich, das Gefühl der Trauer, das eigentlich sehr privat sei, für eine öffentliche Person zu empfinden.

Wer die Trauerfeier für Enke im Fernsehen angesehen habe - womöglich gar alleine - habe trotzdem das Gefühl, mit anderen Menschen verbunden gewesen zu sein. «Medien haben heute oft die Funktion des sogenannten Emotionsmanagements übernommen. Sie können Gefühle hypen, aber auch in Bahnen lenken.» Gerade öffentliche Trauer bewege die Menschen sehr. «Das verbindet und gibt Gesprächsstoff.»

Döveling sagt: «Es geht darum, in einer Mediengesellschaft ein Gefühl zu teilen, es dabei sogar zu verstärken und gleichzeitig eine Erleichterung zu erleben, indem man merkt, dass man mit seinen Emotionen nicht alleine ist.»

Fußball / Enke / Deutschland
15.11.2009 · 21:57 Uhr
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