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Medien: WikiLeaks nützt Israel

Tel Aviv (dpa) - Offiziell will sich die israelische Regierung nicht zum Thema WikiLeaks äußern, aber aus Sicht von Zeitungskommentatoren kann sich das Land vor Freude nur die Hände reiben.

Die Veröffentlichung vertraulicher diplomatischer US-Depeschen habe der ganzen Welt die Gefahren des iranischen Atomprogramms vor Augen geführt, heißt in israelischen Blättern.

«Israel wird keinen Kommentar abgeben», sagte der Sprecher des israelischen Außenministeriums Jigal Palmor am Montag in Jerusalem. Wie nicht anders zu erwarten, widmen die Medien des Landes vor allem dem Thema Iran größte Aufmerksamkeit: «Wenn es WikiLeaks nicht schon geben würde, hätte Israel es erfinden müssen. Die umfangreiche Veröffentlichung von Einschätzungen amerikanischer Diplomaten zeigt klar und deutlich ein Bild: Die ganze Welt, nicht nur Israel, ist wegen des iranischen Atomprogramms in Panik», kommentiert die Tageszeitung «Jediot Achronot».

Die «Jerusalem Post» schätzt die Veröffentlichung auf dem Enthüllungsportal WikiLeaks ähnlich ein: «Aus israelischer Sicht ist es keine Übertreibung zu sagen, dass WikiLeaks dem Land am Sonntag einen Gefallen getan haben könnte. Indem die arabischen Führer mit extremeren Äußerungen als die israelischen zitiert werden, zeigen die Mitteilungen die Unstimmigkeiten in der Region und die Gefahren, wenn man dem Iran gestattet, an seinem Atomprogramm weiterzuarbeiten (...) Israelischen Politikern sind die peinlichen Analysen ihrer Persönlichkeit erspart geblieben.»

«Der Vorhang hat sich gehoben und es wird deutlich, dass alle mit der iranischen Gefahr beschäftigt sind», schreibt die Tageszeitung «Haaretz». Und dann geht das Blatt mit der «Scheinheiligkeit» arabischer Politiker ins Gericht: «Das ist ein interessanter Punkt. Jahrelang hat sich Israel über die Doppelzüngigkeit moderater arabischer Staaten beschwert. Einerseits haben sie insgeheim Israel dazu gedrängt, den Iran und dessen Stellvertreter, die (radikal- islamische) Hamas und die (pro-iranische) Hisbollah, anzugreifen, um dann die Aktionen zu verurteilen.»

Konflikte / Internet / USA / Israel
29.11.2010 · 11:36 Uhr
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