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Mauer im Kopf: Ossi-Wessi-Vorurteile verschärft

Fall der MauerGroßansicht
Berlin (dpa) - Rund 20 Jahre nach dem Mauerfall haben sich die Vorurteile zwischen Ost- und Westdeutschen nach Ansicht eines Berliner Forschers verschärft.

«Die Vorurteile wurden nicht abgebaut, sondern haben sich verfestigt und teilweise vergrößert», sagte der Leiter des Forschungsverbunds SED-Staat an der Freien Universität Berlin, Klaus Schroeder, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa. Unter dem Motto «Das ist eben so, das wird sich nicht mehr ändern» hätten sich zahlreiche Vorurteile in den Köpfen der Menschen verankert. Erschreckend sei dabei auch, dass nicht nur ältere Männer und Frauen Vorurteile hätten. «Die Animositäten werden in vielen Familien an die jüngeren Generationen weitergegeben.»

Beide Seiten pflegen dabei unterschiedliche Vorurteile. «Fasst man die Vorbehalte schlagwortartig zusammen, so glauben die Westdeutschen, dass die Ostdeutschen ein eher schlichtes Gemüt haben, viel herumjammern und nicht richtig arbeiten können oder wollen», sagt Schroeder. «Die Ostdeutschen halten die Westdeutschen dagegen - vereinfacht gesagt - für egoistisch, Ellenbogen-orientiert und für oberflächliche Schaumschläger.» Schwierig sei dabei auch, dass sich beide Seiten durch aktuelle politische und wirtschaftliche Debatten in ihren Ansichten immer wieder bestätigt fühlten.

Hinzu komme eine Verklärung der Geschichte - nicht nur bei den Ostdeutschen. «Die Westalgie übertrifft mittlerweile die Ostalgie», berichtete der Politikwissenschaftler und Autor verschiedener Studien zur deutschen Teilungsgeschichte und zum Wiedervereinigungsprozess. «In der Öffentlichkeit wird das zwar nicht so gerne wahrgenommen, doch zahlreiche Westdeutschen sagen mittlerweile: "Vor 1989, ohne die Ostdeutschen, war es schöner, ging es uns besser".» Das habe eine Studie des Allensbach-Instituts 2008 bestätigt.

Problematisch sei auch die Rolle der Politik nach dem Mauerfall. «Damals hat die Politik leider falsch versprochen, dass die Einheit kein Geld kosten wird», sagte Schroeder. «Das war der zentrale Fehler.» Wenn von Anfang an anders kommuniziert worden wäre, gäbe es heute vielleicht nicht so viel Polarisation. «Man hätte den Westdeutschen klar sagen müssen: "Die Einheit wird viel Geld kosten, das ist das Resultat der langen Jahre der Teilung und wir müssen Solidarität zeigen" und den Ostdeutschen: "Es wird euch schnell besser gehen, aber eine vollständige Angleichung dauert aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen länger als erwünscht".»

Gespräch: Aliki Nassoufis, dpa

[Freie Universität Berlin]: Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin

Geschichte / Gesellschaft / Deutschland
11.07.2009 · 11:45 Uhr
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