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Mauer des Schweigens wird rissig

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) informiert in der Staatskanzlei in Düsseldorf.Großansicht

Düsseldorf (dpa) - Ohne mit der Wimper zu zucken spricht Hannelore Kraft von politischer Verantwortung. Wen die neue Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen meint, ist klar: den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland.

Seit Tagen duckt sich der CDU-Mann weg - die SPD-Politikerin Kraft wird auf ihn keine Rücksicht nehmen.

An diesem Mittwoch schickt sie ihren Innenminister Ralf Jäger vor die Presse. Er hat dem Kabinett bereits über «Duisburg» berichtet. Darf man sich Neues erhoffen? Klarheit darüber, wer wann was entschieden und zu verantworten hat? Oder bleibt die Öffentlichkeit weiter darauf angewiesen, dass Medien hervorkramen, was nicht für sie bestimmt war?

Protokolle von Beamten-Sitzungen, Vermerke, Warnungen, Unterschriften - etliches hat bereits den Weg aus den Schubladen des Duisburger Rathauses gefunden. Da wurden Sicherheitsbestimmungen zur Seite gewischt, Zweifel überhört. «Der OB wünscht die Veranstaltung und daher muss hierfür eine Lösung gefunden werden» - das war die Devise laut einem Dokument, das die «WAZ» zu Tage förderte.

Jetzt schirmt eine Mauer des Schweigens alles ab, was möglicherweise bereits langsam aufgeklärt wird. Staatsanwälte und Polizisten sind schon von Berufs wegen ziemlich verschlossen, solange ein Ermittlungsverfahren läuft. Und die Verantwortlichen in der Verwaltung tun, worüber sich Rechtsanwälte von Straftätern freuen: «Mund halten, nichts sagen und abwarten was der Vorwurf ist», so erläutert der Jurist Ekkehard Schäfer die Strategie.

Viele Menschen in Duisburg und anderswo haben allerdings wenig Verständnis für juristische Klugheiten angesichts des Schicksals von 20 jungen Menschen, die im Gedränge erbärmlich zu Tode gequetscht wurden. Sie fordern den Rücktritt des Oberbürgermeisters. «Du hast versagt», könnte Sauerland auf einem Schild am Ort der Massenpanik lesen.

Der Stadtchef hat «Verständnis» für Rücktrittsforderungen, will ihnen aber nicht nachkommen. Erst sollen «die Puzzleteile zu einem Gesamtbild» zusammengefügt werden. Am Donnerstag wollen Demonstranten vor dem Duisburger Rathaus deutlich machen, dass sie das entschieden anders sehen. Im Internet wird schon kräftig dafür geworben.

Wie lange sich der bislang beliebte Stadtvater, der jetzt Polizeischutz braucht, noch halten kann, ist offen. Seine Parteifreunde - die NRW-CDU ist derzeit ohnehin orientierungslos - halten sich heraus, springen ihm aber auch nicht bei. Von der neuen rot-grünen Landesregierung kann Sauerland erst recht keine Hilfe erwarten. Und dass auch vertrauliche Dokumente irgendwann den Weg in die Öffentlichkeit finden, zeigten schon die letzten Tage. So graben sich langsam aber stetig Risse in die Mauer des Schweigens.

Notfälle / Loveparade
28.07.2010 · 00:06 Uhr
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