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Maier-Witt spricht über RAF, aber nicht über Becker

Becker und Maier-WittGroßansicht

Stuttgart (dpa) - Eine Geschichtsstunde in Sachen RAF - aber keine Klarheit über den Mord an Siegfried Buback: Die Zeugenvernehmung der ehemaligen Terroristin Silke Maier-Witt vor dem Oberlandesgericht Stuttgart hat keine neuen Anhaltspunkte für eine Beteiligung der angeklagten Verena Becker ergeben.

Maier-Witt berichtete vor dem Oberlandesgericht Stuttgart, dass sie erst am Tag des Mordanschlags auf den Generalbundesanwalt am 7. April 1977 als «Illegale» in die «Rote Armee Fraktion» aufgenommen worden sei. Sie habe sich an jenem Tag mit den RAF-Mitgliedern Brigitte Mohnhaupt und Sieglinde Hofmann in Amsterdam getroffen. Die beiden seien verspätet am Treffpunkt in einem «Wienerwald»-Restaurant erschienen. «Sie haben das damit erklärt, dass eine Aktion erfolgreich durchgeführt wurde. Sie waren guter Stimmung.»

Es sei aber nicht darüber gesprochen worden, wer an dem Anschlag beteiligt war. Verena Becker habe sie in ihrer Zeit in der RAF nie getroffen. «Ich bin ihr nie begegnet. Ich weiß auch nicht viel über Frau Becker.» Sie sei jedenfalls am Tag des Anschlags nicht mit in Amsterdam gewesen, sagte Maier-Witt.

Die 58-jährige Becker soll laut Anklage eine maßgebliche Rolle bei der Entscheidung für den Mordanschlag auf Buback sowie bei der Organisation des Attentats gespielt haben.

Verena Becker schaute ihr ehemalige Genossin lange und, soweit es durch ihre dunkle Sonnenbrille erkennbar war, geradezu durchdringend an. Seit vergangener Woche verhandelt der 6. Strafsenat des OLG nicht mehr im Hochsicherheitsbau in Stuttgart-Stammheim, sondern in einem etwas beengten Gerichtssaal in der Innenstadt. Die beiden Frauen saßen keine drei Meter voneinander entfernt. Doch kein Wort der Begrüßung, kein Nicken, keine Reaktion.

Maier-Witt ist nach den Maßstäben der RAF eine Verräterin, kann aber als Beispiel für eine gelungene Resozialisierung gelten: 1980 löste sie sich von der RAF und wurde von der Stasi unter neuer Identität in der DDR untergebracht. «Die Stasi bestand darauf, dass ich mir die Nase operieren lasse, weil sie als auffälliges Merkmal galt.»

Dennoch flog 1990 die Tarnung auf. Maier-Witt wurde unter anderem wegen ihrer Mitwirkung an der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer zu zehn Jahren Haft verurteilt. Da sie umfangreiche Aussagen machte, profitierte sie von der Kronzeugenregelung und kam nach fünf Jahren frei. Im Gefängnis studierte sie Psychologie; heute arbeitet die 61-Jährige für eine Friedensorganisation in Mazedonien.

Die RAF-Aussteigerin schilderte ihre Rolle in der RAF reflektiert und selbstkritisch. Peter-Jürgen Boock habe ihr als Zeichen der Aufnahme in die Gruppe am Tag des Anschlags auf Buback in Amsterdam eine Pistole überreicht. «Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben eine Waffe in der Hand und das mit sehr gemischten Gefühlen betrachtet.» Boock habe ihr dann verschiedene Munitionsarten erläutert. «Insbesondere solche, die in den Körper eindringen und dann aufplatzen. Das wollte ich aber nicht hören.»

Maier-Witt blieb zunächst in Amsterdam, fälschte Pässe, organisierte Autos. «Ich war froh, wenn ich irgendwelche Aufgaben bekam, die ich machen konnte. Dankbar, wenn mich irgendjemand wahrnahm und mir das zutraute.» Ihre Vernehmung wird am Freitag fortgesetzt.

Prozesse / Terrorismus / RAF
24.02.2011 · 17:23 Uhr
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