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Madoff-Sohn nimmt sich das Leben

Der ältere Sohn des Milliardenbetrügers Bernard Madoff nahm sich das Leben - auf den Tag genau zwei Jahre nachdem er seinen Vater angezeigt und so die Lawine ins Rollen gebracht hatte.Großansicht

New York/Berlin (dpa) - Der ältere Sohn des Milliardenbetrügers Bernard Madoff hat Selbstmord begangen. Auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Hochkochen des Skandals nahm sich Mark Madoff das Leben. Er wurde am Samstag erhängt in seiner New Yorker Wohnung aufgefunden, wie die Polizei bestätigte.

Bernard Madoff hatte seinen beiden Söhnen den Betrug Ende 2008 offenbart und war auf deren Hinweis hin festgenommen worden.

Sein Schwiegervater habe den 46-Jährigen entdeckt, hieß es in US-Medien. Der Notruf aus dem Appartement der Familie im trendigen Stadtteil SoHo in Manhattan ging um etwa halb acht Uhr morgens ein. Mark Madoff habe sich mit einer Hundeleine erhängt, berichtete die Polizei. Sein zweijähriger Sohn schlief demnach im Nebenzimmer mit dem Hund an seiner Seite.

Mark Madoff habe seiner Frau, die sich mit einem weiteren Kind des Paars in Florida aufhielt, kurz davor eine E-Mail geschickt. Darin habe er gebeten, dass jemand vorbeikommen und nach dem Kleinkind sehen solle. Laut Polizeikreisen wurde kein Abschiedsbrief gefunden.

«Es ist eine schreckliche und unnötige Tragödie», hieß es in einer Erklärung der Anwälte der Madoff-Söhne. Mark sei ein unschuldiges Opfer der Machenschaften seines Vaters geworden. «Mark hat dem zwei Jahre währenden Druck von falschen Anschuldigungen und Andeutungen nicht mehr standgehalten.»

Zuletzt hatte es geheißen, Mark sei über den jahrzehntelangen Betrug seines Vaters sehr verbittert gewesen. Das «Wall Street Journal» schrieb kürzlich, dass die beiden Madoff-Söhne Mark und Andrew in den vergangenen zwei Jahren kein einziges Wort mit ihren Eltern gewechselt hätten.

Madoffs Söhne hatten zwar in der Firma ihres Vaters gearbeitet, wollen von dem gewaltigen Schneeball-System aber keine Ahnung gehabt haben. Die Ermittler konnten ihnen kein Fehlverhalten nachweisen. Allerdings verklagte sie der Treuhänder Irving Picard, der versucht, den Betrugsopfern zumindest einen Teil ihres Schadens zu ersetzen. Er wirft Madoffs Söhnen vor, dass sie mit dem ergaunerten Geld ein luxuriöses Leben geführt hätten.

Die Söhne standen in den vergangenen Jahren unter immensem Druck. Immer wieder wurde öffentlich angezweifelt, ob sie wirklich so lange ahnungslos geblieben sein könnten. Sie sollen sogar erwogen haben, ihre Nachnamen zu ändern. Die Frau von Mark Madoff beantragte dies auch tatsächlich und begründete den Schritt mit Drohungen, die sie erhalten habe. Madoff hinterlässt zwei weitere Kinder aus seiner ersten Ehe.

Bernard Madoffs Investmentfirma hatte auf dem Papier ein Volumen von mehr als 60 Milliarden Dollar - tatsächlich war jedoch viel heiße Luft dahinter, weil der Finanzjongleur die Gewinner früherer Kunden einfach mit den Investitionen der nächsten Anleger bezahlte. In der Finanzkrise, als ausreichend neues Geld ausblieb, kam das Schneeball-System aber ins Stocken.

Nach jüngsten Schätzungen soll Madoff über Jahrzehnte hinweg bei mehreren tausend Investoren rund 20 Milliarden Dollar eingesammelt haben. Es war der größte Wirtschaftsbetrug der Geschichte. Der 72-Jährige wurde im Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. Die Strafe sitzt er in einem Bundesgefängnis in North Carolina ab.

Am Samstag lief auch die Frist ab, bis zu der Treuhänder Picard Geld von mutmaßlichen Nutznießern des Betrugssystems zurückfordern konnte. Zum Schluss feuerte Picard seine bisher größte Klage ab: Von der österreichischen Bankerin Sonja Kohn verlangt er 19,6 Milliarden Dollar. Er wirft ihr vor, über Jahrzehnte wissentlich Investoren an Madoff weitervermittelt und dafür Millionen an Provisionszahlungen kassiert zu haben.

Insgesamt verlangt Picard von diversen Finanzunternehmen inzwischen rund 50 Milliarden Dollar. Mehr als 100 Klagen sind anhängig. Unter den Beklagten sind bekannte Namen wie die britische Großbank HSBC oder der US-amerikanische Branchenriese JP Morgan. Bisher hat der 69-jährige Jurist etwa 2,6 Milliarden Dollar für Madoffs Opfer zusammengekratzt.

Finanzen / Kriminalität / USA
12.12.2010 · 21:01 Uhr
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