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Machtkampf bei der Linken wird zur Hängepartie

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Berlin (dpa) - Pattsituation im Machtkampf bei der Linken: Die Bundesspitze und die Landeschefs konnten sich in einer viereinhalbstündigen Sitzung nicht auf Dietmar Bartsch oder Oskar Lafontaine als neuen Parteivorsitzenden einigen.

Vizefraktionschef Bartsch blieb am Dienstag bei seiner Kandidatur, der Ex-Parteivorsitzende Lafontaine behält sich weiter vor, seinen Hut in den Ring zu werfen. Eine Kampfkandidatur gegen Bartsch will er aber nicht. Die stellvertretende Parteivorsitzende Katja Kipping brachte einen dritten Weg ohne Bartsch und Lafontaine ins Gespräch - vielleicht sogar mit zwei Frauen.

Die Führungsdebatte soll nun zunächst auf Regionalkonferenzen und in Einzelgesprächen weitergeführt geführt werden. Parteichef Klaus Ernst will auch noch einmal zu einer Spitzenrunde einladen. Auf dem Parteitag in Göttingen am 2. und 3. Juni soll der neue Parteivorstand gewählt werden.

Ernst, der seinen Posten für Lafontaine räumen will, sagte nach der Sitzung, der saarländische Fraktionschef habe viel Unterstützung erhalten. Es gebe das gemeinsame Ziel, «dass wir zu einer Führung kommen, die miteinander arbeiten kann».

Vor der Sitzung hatte Lafontaine eine Kampfkandidatur gegen Bartsch ausgeschlossen. «Das wäre nicht unbedingt der krönende Abschluss meiner Karriere», sagte der 68-Jährige. Im Ringen um den Parteivorsitz gibt es nun drei Möglichkeiten. Entweder einer der beiden Aspiranten - Lafontaine oder Bartsch - gibt klein bei. Oder beide verzichten und machen den Weg frei für eine dritte Lösung.

Für die letzte Option plädierte Kipping. Wer die Partei «bewusst in eine Showdown-Situation führt», schade ihr, sagte sie. Inzwischen ist auch eine Doppelspitze mit zwei Frauen im Gespräch. Laut Satzung muss «mindestens» eine Frau der Doppelspitze angehören. Nach dem Rücktritt der bisherigen Vorsitzenden Gesine Lötzsch aus familiären Gründen hat bisher noch keine Frau ihre Kandidatur für die Nachfolge erklärt.

Vor der Spitzenrunde hatte es Berichte gegeben, Lafontaine wolle ganz konkrete Bedingungen für eine Kandidatur stellen - unter anderem die Beförderung seiner Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht zur Fraktionschefin im Bundestag. Das wurde aber noch am Montagabend dementiert. Wagenknecht warb für die Kandidatur Lafontaines. «Oskar Lafontaine drängt sich nicht darum, an die Spitze zu kommen», sagte sie im ZDF-«Morgenmagazin». «Aber in der jetzigen, ganz schwierigen Situation sehe ich ehrlich gesagt auch keine andere Lösung.»

Gegenwind erhält Lafontaine vor allem aus den ostdeutschen Landesverbänden. Die westdeutschen Verbände sind dagegen mehrheitlich für ihn.

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gysi, lehnte eine Übernahme des Parteivorsitzes ab. «Das findet nicht statt», sagte er der in Halle erscheinenden «Mitteldeutschen Zeitung» (Mittwoch). «Was ich mache, reicht mir. Mehr muss nicht sein.» Thüringens Linke-Landesvorsitzender Knut Korschewsky hatte Gysi ins Gespräch gebracht für den Fall, dass es im Streit zwischen Lafontaine und Bartsch keine konstruktive Lösung gibt.

Parteien / Linke
15.05.2012 · 19:39 Uhr
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