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Luftangriff auf Vize-Gouverneur im Jemen

Soldaten in SanaaGroßansicht
Sanaa (dpa) - Die USA wollen den Kampf gegen die Al-Kaida-Terroristen im Jemen wieder selbst in die Hand nehmen. Bei einem Luftangriff auf einen Unterschlupf mutmaßlicher Terroristen in der Provinz Marib wurde am Montagabend der Vize-Gouverneur der Provinz, Dschabir al-Schabwani, getötet.

Bewohner der Provinz erklärten, die Rakete, die Al-Schabwani und seine fünf Leibwächter in ihrem Auto getötet habe, sei nicht von einem Flugzeug der jemenitischen Armee sondern von einer Kampfdrohne der US-Armee abgefeuert worden. Ein solches unbemanntes Flugzeug sei über der Region in den vergangenen Monaten schon mehrfach gesichtet worden. Die «New York Times» berichtete am Dienstag, der für den Nahen Osten zuständige US-General David Petraeus habe angeordnet, die militärischen Geheimoperationen in der Region auszuweiten.

Die jemenitische Regierung erklärte zu dem Luftangriff nur knapp, man bedauere den «Märtyrertod» des Vize-Gouverneurs. Präsident Ali Abdullah Salih habe eine Untersuchung des Zwischenfalls gefordert.

Während die Regierung noch an einer Sprachregelung zu dem Angriff feilte, kam ein am Vortag westlich von Sanaa entführtes amerikanisches Ehepaar frei. Der Gouverneur der Provinz Sanaa, Noaman al-Dowaid, sagte, die Touristen aus den USA befänden sich nun in der Obhut von Behördenvertretern. Sie waren am Montag während eines Ausflugs verschleppt worden. Die Kidnapper hatten versucht, die Geiseln zu benutzen, um einen wegen illegaler Landname inhaftierten Stammesangehörigen freizupressen.

Nach Darstellung von Angehörigen des Stammes des getöteten Vize- Gouverneurs hatte dieser am Montagabend den Bauernhof des mutmaßlichen Al-Kaida-Anführers Mohammed Said bin Dscharadan aufgesucht, um ihn dazu zu bewegen, sich den Behörden zu stellen. Einige Beobachter vermuten jedoch, der Vize-Gouverneur, dessen Bruder der mutmaßliche Al-Kaida-Terrorist Ajidh al-Schabwani ist, sei nicht als Vermittler gekommen, sondern habe mit den Terroristen unter einer Decke steckt. Nach Angaben von Stammesführern und lokalen Behördenvertretern konnte Bin Dscharadan nach dem Angriff unverletzt entkommen.

Der jüngste Luftangriff erinnert an eine Drohnen-Attacke des US-Geheimdienstes CIA im Jemen. Im November 2002 hatte die CIA in Marib den mutmaßlichen Al-Kaida-Anführer Al-Kaid al-Harethi mit einer Hellfire-Rakete getötet. In Washington war nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf ein US-Flugzeug im vergangenen Dezember der Ruf nach einer Geheimdienst-Offensive gegen die Terroristen in dem arabischen Land laut geworden. Der 23-jährige Nigerianer, der am Weihnachtstag versucht hatte, auf einem Flug nach Detroit einen Sprengsatz zu zünden, war im Jemen auf den Anschlag vorbereitet worden.

Nach Angaben von Augenzeugen kam es nach dem Angriff in der östlich von Sanaa gelegenen Provinz Marib am Dienstag zu Gefechten zwischen Soldaten und Angehörigen des Stammes von Al-Schabwani. «Es ist wie Bürgerkrieg», sagte einer von ihnen. Auf beiden Seiten wurden insgesamt 15 Menschen verletzt. Wütende Angehörige des Obeida-Stammes sprengten zudem die Öl-Pipeline, die von Safir zum Hafen Ras Issa am Roten Meer führt, in die Luft. Erst nach einer Vermittlungsaktion von Stammesältesten beruhigte sich die Lage wieder.

Die Al-Kaida-Zellen sind momentan nicht das einzige Problem der jemenitischen Regierung. Im Süden ruft eine Separatistenbewegung zur Spaltung des Landes auf. Im Norden leisten die schiitischen Houthi- Rebellen Widerstand. Die Stämme, die zum Teil sehr gut bewaffnet sind, entführen zudem immer wieder Ausländer, um die Regierung zu Zugeständnissen zu zwingen.

Konflikte / Terrorismus / Entführungen / Jemen
25.05.2010 · 17:12 Uhr
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