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Luft- und Raketenangriffe des Westens auf Libyen

Ein AWACS-Aufklärungsflugzeug über dem US-Flugzeugträger

Bengasi/Washington (dpa) - Mit massiven Luft- und Raketenangriffen hat der internationale Militäreinsatz gegen Libyen begonnen. Die USA und Großbritannien starteten am Samstag von Kriegsschiffen und U-Booten aus Raketenangriffe auf militärische Ziele des Regimes von Machthaber Muammar al-Gaddafi.

Zudem griffen französische und britische Kampfjets in die Militäraktion ein. Beschossen wurden vor allem Ziele in Küstennähe.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden 110 Raketen vom Typ Tomahawk abgefeuert. Rund 20 militärische Anlagen seien ins Visier genommen worden. Französische Kampfflugzeuge beschossen ein Fahrzeug der libyschen Armee, wie der Generalstab in Paris mitteilte. Nach Informationen des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira trafen die Maschinen auch vier Panzer der Gaddafi-Truppen bei Bengasi, einer Hochburg der Aufständischen. Auch britische Kampfflugzeuge befanden sich über Libyen.

US-Präsident Barack Obama gab den Einsatzbefehl an die US-Streitkräfte für eine «begrenzte Militäroperation in Libyen». «Diese Aktion hat jetzt begonnen», sagte Obama am Samstag bei seinem Besuch in Brasilien. «Wir werden keine, ich wiederhole, keine US-Truppen am Boden einsetzen.»

Ein Sprecher der libyschen Regierung sprach von einem barbarischen Akt. Der Geist der Gaddafi-Anhänger werde dadurch aber nicht geschwächt, sagte er in einer vom britischen Sender BBC übertragenen Pressekonferenz in Tripolis. Der Sprecher wiederholte seine Forderung, dass internationale Beobachter nach Libyen kommen sollten. Am Vortag war bei einer entsprechenden Einladung auch ausdrücklich Deutschland ins Spiel gebracht worden.

Über das Ergebnis des Raketenbeschusses konnte das Pentagon noch keine Auskunft geben, weil die Angriffe in der Nacht stattfanden. Mit dem Beschuss sollten weitere Angriffe auf Zivilisten und Oppositionsgruppen bei Bengasi verhindert werden, hieß es. Zudem sollte das Gaddafi-Regime behindert werden, sich gegen die Einrichtung einer Flugverbotszone zu wehren.

Großbritanniens Premierminister David Cameron nannte die Militäraktion «notwendig, legal und richtig». Zuvor war bekanntgeworden, dass die britischen Streitkräfte sowohl Tornado-Bomber wie auch Eurofighter sowie Aufklärungs- und Tankflugzeuge nach Libyen schicken wollten. Cameron begründete den Militäreinsatz damit, dass Gaddafi statt des angekündigten Waffenstillstands die Brutalität gegen sein Volk noch erhöht habe.

In einer Vorstadt von Tripolis versammelten sich nach einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira mehrere Hundert Gaddafi-Anhänger, um die Residenz des Machthabers gegen Angriffe französischer Militärjets zu schützen. Gaddafi lebt in einem Zelt in der Militärgarnison der Vorstadt in Bab al-Asisija.

Vor dem Einsatz hatte die libysche Führung Berichte über Angriffe ihrer Truppen auf die Aufständischen-Hochburg Bengasi dementiert. Außenminister Mussa Kussa sagte vor der Presse in Tripolis: «Wir halten uns vollständig an die von uns verkündete einseitige Waffenruhe und das Ende aller Militäroperationen.» Die Angriffe auf die «bewaffneten Banden im Osten des Landes» seien eingestellt worden. Damit habe Libyen die UN-Resolution 1973 erfüllt, fügte er hinzu.

Konflikte / Libyen / Großbritannien
20.03.2011 · 00:26 Uhr
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