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Luc Jochimsen: «Schirmherrin für die Schwachen»

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Berlin (dpa) - Luc Jochimsen kann es nicht mehr hören. Das Wort «Zählkandidatin» passt einfach nicht in ihre Vorstellung von einer Bundespräsidentenwahl. «Das ist ein Begriff, den ich zutiefst undemokratisch finde», sagt die Kandidatin der Linken.

«Zur Wahl gehört, dass die Entscheidung zwischen mehreren Kandidaten fällt.» Das ändert allerdings nichts daran, dass Jochimsen praktisch keine Chance zwischen Christian Wulff und Joachim Gauck bei der Wahl eines neuen Staatsoberhaupts am 30. Juni haben wird. Sie wird kaum mehr als die 124 Stimmen ihrer Partei in der Bundesversammlung erhalten - das sind knappe zehn Prozent.

Die Linke hat sich trotzdem dafür entschieden, einen Kontrapunkt zu Gauck und Wulff zu setzen. Die Kandidatensuche war nicht einfach. Es sollte eine Frau sein, möglichst aus dem Westen, die ein starkes linkes Profil hat und eine «große Lebensweisheit» ausstrahlt. Zudem sollte die Bewerberin nicht völlig unbekannt sein.

Die Wahl fiel auf eine Frau, die Parteimitglied ist, viel Lebenserfahrung hat und als frühere Fernseh-Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks (HR) noch die prominenteste aus Westdeutschland stammende Frau, die die Linke zu bieten hat. Jochimsen wurde in Nürnberg geboren, ging in Frankfurt am Main zur Schule und studierte in Hamburg Soziologie, Politik und Philosophie. Sie arbeitete zehn Jahre lang beim Polit-Magazin «Panorama», berichtete danach als Korrespondentin aus London und wurde schließlich als erst dritte Frau in der ARD Chefredakteurin.

Erst nach ihrem Ruhestand ging sie mit 65 Jahren in die Politik und zog 2005 über die Thüringer Landesliste der PDS in den Bundestag ein. Im Ausschuss für Kultur und Medien setzte sie sich unter anderem dafür ein, den 8. Mai zum Nationalfeiertag zu machen und damit das Ende des Zweiten Weltkriegs und des Nazi-Regimes 1945 zu würdigen.

Mit ihrer Parlamentsarbeit sorgte sie weniger für Schlagzeilen als mit einer Aktion bei der Einweihung des Ehrenmals der Bundeswehr im September 2009: Zum Festakt trug Jochimsen einen Schal mit der Aufschrift «Nun erst recht. Raus aus dem Krieg». Weil sie den Schal nicht ablegen wollte, wurde sie von der Polizei in Empfang genommen. Die Mutter eines Sohnes ist in zweiter Ehe verheiratet und lebt in Hamburg sowie im italienischen Veneto.

Bei ihrer Vorstellung als Kandidatin kündigte Jochimsen an, sie wolle als «Friedensstifterin, Vereinigerin und Schirmherrin für die Schwachen» auftreten. Seitdem hat sie vor allem mit der Aussage für Schlagzeilen gesorgt, die DDR sei «nach juristischer Definition» kein Unrechtsstaat gewesen. Sie wolle mit eigenen Worten beschreiben, wie sie die DDR sehe, erwiderte sie den Kritikern und fragte: «Warum muss ich diese Vokabel benutzen?»

Für die Linke stellt sich die Frage, wie sie sich im dritten Wahlgang verhalten wird, wenn die einfache Mehrheit entscheidet. Die Linke könnte Jochimsen zurückziehen, mit ihrem Votum möglicherweise den Kandidaten Wulff stürzen und damit auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Gefahr bringen. Jochimsen allerdings hat sich schon festgelegt: Sie will Gauck auch im dritten Wahlgang nicht wählen.

Bundespräsident
30.06.2010 · 22:44 Uhr
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