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Loveparade: Tod beim letzten Ausflug in Deutschland

Kerzen, Rosen und ein Schild stehen im Tunnel in Duisburg auf dem Gelände der Loveparade.

Münster/Greven (dpa) - Es sollte der krönende Abschluss ihres Deutschland-Jahres werden, die letzte große Party vor der Heimreise. Unter den Opfern der Loveparade-Tragödie sind auch die spanischen Studentinnen Marta (21) und Clara (22).

Die hübschen jungen Frauen hatten in Münster ein Jahr lang Englisch und Psychologie studiert. Ihr Erasmus-Aufenthalt ging in der vergangenen Woche zu Ende. Die Frauen wollten mit rund 30 Freunden feiern. «Sie wollten einfach nur ihren Spaß haben und waren sicher in großer Vorfreude», sagt der Sprecher der Uni Münster, Norbert Robers, zwei Tage nach dem Drama. «Von dieser ungeheuren Größe der Veranstaltung wussten sie nichts», vermutet er. Irgendwann verlor sich die Gruppe aus den Augen.

Um die Angehörigen zu schonen, wurde eine der Frauen anhand eines DNA-Tests identifiziert. «Wir alle sind erschüttert und sehr traurig», betont Uni-Rektorin Ursula Nelles. «Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer sowie bei allen Freunden und Bekannten, die dieses schreckliche Ereignis miterleben mussten.» Am Montag ist bekanntgeworden, dass insgesamt drei Studentinnen aus Münster in dem Gedränge zu Tode kamen: Eine 23-jährige Gelsenkirchenerin, die hier Niederlandistik und Germanistik studiert hat, ist unter den Opfern. Die Hochschule plant an diesem Mittwoch einen Gedenkgottesdienst.

Auf dem Campus herrschen Fassungslosigkeit und Entsetzen. «Viele haben ganz lange geweint», berichtet Robers. «Es bestand das Bedürfnis, sich schlicht und einfach in den Armen zu liegen.» Vier Notfallseelsorger und ein Pfarrer haben den Freunden beigestanden.

Trauer auch in der Kleinstadt Greven nördlich von Münster: Dort war eine Gruppe mit 78 jungen Leuten aus der Gemeinde zur weltgrößten Technoparty aufgebrochen. Ein örtlicher Frisiersalon und ein Jugendzentrum hatten die Reise organisiert. «Diese Bustour hat schon zum zehnten Mal stattgefunden», sagt Grevens Stadtsprecher Klaus Hoffstadt. Man besuchte Fußballspiele und Konzerte. «Es gab 2008 auch schon eine Reise zur Loveparade in Dortmund.» Jetzt die Katastrophe.

Am Samstag ging eine 20-Jährige aus Greven im Gedränge verloren. Ihr Sitz blieb auf der Heimfahrt in der Nacht leer, als die meisten anderen sich mit Hilfe der Betreuer wieder gesammelt hatten. Die Reisebegleiter hätten eigentlich alles sehr gut organisiert, Zettel mit «Spielregeln» und Notfallnummern ihrer Handys verteilt, sagt Hoffstadt. Auf das Chaos, das dann in Duisburg ausgebrochen war, konnte die jungen Leute jedoch keiner vorbereiten.

«Es war Sorge da und Ungewissheit», sagt Hoffstadt über die ersten Stunden. Auch andere schafften es nicht zum Bus zurück, aber sie meldeten sich. Die junge Frau ging nicht ans Telefon - Stunden später die schreckliche Gewissheit: Sie hat die Katastrophe nicht überlebt.

«Das Jugendamt hat Kontakt zur betroffenen Familie aufgenommen», sagt Hoffstadt. Experten zur Trauma-Bewältigung stehen bereit. Sie haben in den vergangenen Jahren einiges an Erfahrung gesammelt, wie man den Umgang mit Schockerlebnissen erleichtert. Im benachbarten Emsdetten hat es vor knapp vier Jahren einen Amoklauf gegeben.

Notfälle / Loveparade
27.07.2010 · 13:09 Uhr
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