Looki Zocktagebuch - Ich bin Gebrauchtspiele-Spieler!

„Liebes Zocktagebuch,
Ich kann es einfach nicht mehr für mich behalten, muss es gestehen: Ich bin ein Einzelspiel-Spieler. Es ist war, ich bin froh, dass es raus ist. Ich bin mit ihnen und mit Hot-Seat-Titeln aufgewachsen und konnte mich bis heute nicht von ihnen lossagen. Tetris, Ballerburg, Super Mario, BMP, Hanse, Civilization, Golden Axe, X-Wing, Nordland-Trilogie bis hin zu The Witcher oder Skyrim. Klar, bei Mass Effect 3 habe ich die 100 Prozent Galaxy at War vollgemacht und sogar viel Spaß daran gehabt, aber ich interessiere mich auch meist nur dann für Mehrspieler-Modi, wenn sie Coop-Elemente enthalten oder wie beispielsweise bei 'Assassin's Creed' unkonventionell und gut gemacht daherkommen (siehe Rennspiele). OK, mein Freund LAN ist da eine Ausnahme. Wer zockt nicht gerne auf einem LAN-Abend noch Klassiker wie Unreal, Quake, Warcraft oder Battlefield, doch stirbt das Zock-LAN augenscheinlich aus. Ohne Unterstützung von dedizierten Servern beißt sich das Prinzip halt in den eigenen Allerwertesten.
Warum ich das alles schreibe? Weil gute Singleplayer-Spiele wie Skyrim, Mass Effect, Catherine oder eben The Witcher auch heutzutage auf dem Markt nicht nur bestehen, sondern Wachstum feiern. Wie lässt sich das - sprich: steigende Verkaufszahlen - mit der scheinbar allgegenwärtigen These konform bringen, der Gebrauchtspielmarkt zerstöre Solo-Spiele? Solchen Behauptungen mangelt es zumindest bei den genannten Beispielen an Grundsätzlichkeit, was sie ad absurdum führt.
Die entscheidenden Faktoren, ob ein Kunde ein Produkt weiterverkauft oder nicht, sind weitaus diversifizierter. Zum einen kann mich ein Spiel wie Skyrim selbst nach 100 Stunden Spielzeit drei Monate später erneut lange fesseln. Zum anderen hält mich ein schlecht gemachter Mehrspieler-Modus nicht davon ab, ein Spiel zu verkaufen. Einige Anhänger der Industrie verbreiten dennoch impertinent das Gefühl, ein Spiel zu verkaufen, sei etwas Verwerfliches. Der Second-Hand-Markt etwas wider das Gesetz. Ich sage: Jemand hat das Spiel erworben, ihr habt euer Geld gesehen! Außerdem zu bedenken: Wenn ich ein Spiel gebraucht verkaufe, habe ich wieder Kapital für ein neues Spiel. Genauso ergeht es dem, der es gebraucht kauft, weil er gespart hat.
Wer Spielern einreden will, sie würden durch den Gebraucht(ver)kauf von Spielen etwas Negatives machen, schädigt dem zurecht guten Ruf der Branche. Wir wissen alle, was vor einigen Jahren der Musikbranche passiert ist – um es in einen Begriff zu pressen, nenne ich es mal "allgemeine Überheblichkeit". So weit sollte es nicht kommen. Wer gute Spiele macht, wird in diesem Geschäft zwar leider nicht immer dafür belohnt, was sehr schade ist. Aber Personen wie Markus Notch und Tim Schafer zeigen, dass es auch anders geht. Und mit ihnen all die Studios, die von guten Spielen leben – viele von ihnen mit Solo-Spielen.“
Wie denkt ihr über die Debatte? Sind die Spiele heutzutage deswegen häufig innovationslos, weil weniger Kapital aufgrund des Gebrauchtspielemarktes vorhanden ist? Werden deswegen keine neuen Marken mehr entworfen, frische Ideen umgesetzt? Ist das Blockieren von Gebrauchtspielen eine Lösung, um den nach Meinung vieler langsam sterbenden Games-Markt zu retten? Oder versuchen die einflussreichen Hersteller nur Druck auszuüben, um mehr Umsatz generieren zu können? Wäre es vielleicht eine Lösung, Gebrauchtspielhandel zu blockieren und Spiele dafür günstiger zu machen? Wir freuen uns auf eure Meinungen!