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London und Moskau wollen Eiszeit beenden

Medwedew und CameronGroßansicht

Moskau (dpa) - Der Mord an dem Kremlkritiker Litwinenko in London belastet die russisch-britischen Beziehungen schon jahrelang. Beim ersten Besuch eines britischen Premiers in Russland seit sechs Jahren bemühen sich beide Seiten aber um eine Entkrampfung.

«Wir suchen den Dialog», sagte der britische Premierminister David Cameron am Montag in Moskau bei einem Treffen mit Kremlchef Dmitri Medwedew. Allerdings wolle er nicht leugnen, dass es besonders im Fall Litwinenko weiterhin Differenzen gebe, räumte Cameron beim ersten Besuch eines britischen Regierungschefs in Moskau seit 2005 ein.

Zudem warb Cameron bei dem Gespräch mit Medwedew sowie bei einem Treffen mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin für ein größeres Engagement des britischen Ölmultis BP in Russland. Zur Delegation Camerons gehörten neben Außenminister William Hague auch zahlreiche Wirtschaftsbosse, darunter etwa BP-Chef Bob Dudley. Erst vor kurzem war ein milliardenschweres Geschäft zwischen BP und dem russischen Ölförderer Rosneft am Widerstand russischer Oligarchen gescheitert.

Medwedew habe Cameron erklärt, dass der Staat die Verhandlungen nicht beeinflussen könne, sagte Präsidentenberater Andrej Prichodko nach Angaben der Agentur Interfax. Beim Treffen mit Putin sei es auch um die eingefrorene Zusammenarbeit der Geheimdienste beider Länder gegangen, sagte der Sprecher des russischen Regierungschefs, Dmitri Peskow. Cameron traf zudem mehrere russische Menschenrechtler.

Im Fall Litwinenko sei eine gemeinsame Untersuchungskommission möglich, zitierte die Agentur Itar-Tass einen namentlich nicht genannten russischen Diplomaten. Der frühere KGB-Agent Litwinenko war 2006 in London mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet worden. Der russische Duma-Abgeordnete Andrej Lugowoi hatte das Opfer in einem Londoner Hotel an dem Tag getroffen, an dem es vergiftet wurde.

Großbritannien fordert die Auslieferung Lugowois. Medwedew lehnte das mit dem Hinweis auf die russische Verfassung ab, die die Auslieferung russischer Bürger verbiete. Zugleich warf Russland Großbritannien vor, keine Beweise für die Schuld Lugowois vorzulegen, der als Duma-Abgeordneter Immunität genießt. Moskau verlangt seinerseits, dass Großbritannien im Londoner Exil lebende Russen wie den Oligarchen Boris Beresowski ausliefert. Russland weist jede Beteiligung an dem Litwinenko-Mord zurück.

Der von Scotland Yard verdächtigte Lugowoi beteuerte erneut seine Unschuld. Er begrüßte aber die Bereitschaft von Cameron zum Dialog. Er sei zur Zusammenarbeit mit der britischen Justiz bereit. Allerdings müsse der Fall «entpolitisiert» werden. Zugleich verlangte Lugowoi Auskunft über die Ergebnisse von Litwinenkos Autopsie.

International / Russland / Großbritannien
12.09.2011 · 21:59 Uhr
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