News
 

London als Hochsicherheitstrakt

FlugabwehrstellungGroßansicht

London (dpa) - Auf der Themse liegt das größte Schiff der britischen Marine, auf Wohnhäuser werden Boden-Luft-Raketen stationiert, auf der Luftwaffenbasis Northolt im Süden Englands stehen zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg Kampfflugzeuge bereit: In London sind Olympische Spiele.

Für Polizei und Militär bedeutet das die «größte Sicherheitsoperation in Friedenszeiten, die es je gab».

Die britische Armee hat mit 13 000 Soldaten mehr Spezialisten bei Olympia, als derzeit in Afghanistan im Einsatz sind. 12 000 Polizisten sollen an besonders wichtigen Tagen gleichzeitig allein an den olympischen Wettkampfstätten sein. Zudem müssen die Straßen Londons, die Sehenswürdigkeiten, Feste und all die anderen Orte, an denen sich Zigtausende Besucher tummeln, geschützt werden. Mehr als eine Milliarde Pfund (etwa 1,26 Milliarde Euro) soll die Verteidigung der Stadt kosten.

Man habe alles im Griff, sei bestens vorbereitet, ist von der Polizei von Anfang an zu hören. Schon Wochen vor der Eröffnungsfeier wurde Einsatzbereitschaft demonstriert, als in einem Bus auf dem Weg nach London ein Passagier Terroralarm schlug. Ein Großeinsatz folgte - und auch, wenn sich das vermeintliche Terrorinstrument später als dampfende Elektrozigarette herausstellte, verteidigten sich die Beamten: Der Notruf sei «sehr glaubhaft» gewesen, erklärte eine Sprecherin der zuständigen Behörde. Lieber einmal zu viel ausrücken als einmal zu wenig. Auch mehrere Festnahmen von Terrorverdächtigen zeigen, wie wachsam man ist.

Dabei ist die Terrorgefahr bei weitem nicht alles. Die Liste der zu erwartenden Straftaten ist lang: Ticketbetrug, Wettbetrüger, illegale Prostitution, Taschendiebe, Schlägereien gehören zum Tagesgeschäft. Gegen Ticketbetrug wird von Anfang an rigide vorgegangen. Bis drei Wochen vor den Spielen gab es bereits 186 Festnahmen.

Gerade die Londoner Polizei muss sich beweisen, denn nach den tagelangen schweren Unruhen auf den Straßen im vergangenen Sommer war ihr immer wieder vorgeworfen worden, nicht fit für Olympia zu sein. Sogar aus den USA war schon Sorge geäußert worden. Laut der britischen Zeitung «Guardian» wurde dort überlegt, 1000 eigene Sicherheitsleute und FBI-Beamte mit den Sportlern und Funktionären mitzuschicken.

Anders als etwa bei riskanten Fußballspielen habe man keine Hilfe aus dem Ausland angefordert, sagte eine Scotland-Yard-Sprecher. «Wir werden London bestens überwachen. Wenn ein Polizist aus einem anderen Land dabei ist, dann ist er privat da und schaut sich die Spiele an.»

Es ist eine Gratwanderung für Polizei und Militär. Kritiker fürchten, Olympia und ganz London könnten zum Hochsicherheitstrakt werden. Es werde ein «Klima der Angst» geschaffen, mahnt die Organisation «Stop the War». Die Polizei aber verspricht, dass die Besucher genug Polizisten sehen sollen, um sich sicher zu fühlen - aber eben auch nicht zu viele.

Auch das Verteidigungsministerium versucht, zu beruhigen. Die militärischen Sicherheitsmaßnahmen seien seit Jahrzehnten Standard bei Olympischen Spielen, heißt es dort. «Wir müssen vorbereitet sein und Olympia sicher machen, damit alle es genießen können», meint Verteidigungsminister Philip Hammond. Jedes Risiko soll minimiert werden. General Muwaffak Jourmaa, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees von Syrien und Freund des umstrittenen Staatschef Baschar al-Assad, wurde bisher das Einreisevisum verweigert.

Olympia / London / Sicherheit
27.07.2012 · 10:03 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
24.01.2017(Heute)
23.01.2017(Gestern)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen