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Loki Schmidt - Naturschützerin und «Hamburger Deern»

Loki Schmidt gestorbenGroßansicht

Hamburg (dpa) - Der freche Kurzhaarschnitt war ihr Markenzeichen bis ins hohe Alter - und die Liebe zur Natur. Als Kanzlergattin blieb Loki Schmidt noch im Hintergrund ihres berühmten Mannes Helmut Schmidt, zuletzt war sie ein Medienstar wie er.

Die engagierte Naturschützerin, die in der Nacht zum Donnerstag 91-jährig in Hamburg starb, verfasste in ihren späten Jahren nicht nur Pflanzenführer, sondern wurde in ihrem 90. Lebensjahr mit ihren Erinnerungen «Erzähl doch mal von früher» zur Bestsellerautorin. In ihrem jüngsten Buch, das gerade Anfang des Monats erschienen ist, berichtete sie erstmals ausführlich über ihre Zeit als Frau des Bundeskanzlers.

Der Titel des Buches «Auf dem roten Teppich und fest auf der Erde» zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der berühmten «Hamburger Deern». Als Tochter eines Werftarbeiters kam Hannelore, die sich schon als kleines Mädchen selber Loki nannte, 1919 zur Welt. «Ihren Helmut» kannte sie schon seit dem 11. Lebensjahr. Fast sieben Jahrzehnte waren sie verheiratet, 2012 hätten sie ihren 70. Hochzeitstag gefeiert. Jetzt hat der Tod das berühmte Paar getrennt.

Vor allem die letzten Jahre waren «regelrechte Schmidt- Festspiele», wie Spötter meinten. So wurden die Geburtstage der beiden immer mehr zu medialen Großereignissen und jeder ihrer öffentliche Auftritte ausführlich gewürdigt. Dabei ging es der alten Dame oft gar nicht gut. Wiederholt musste sie im Krankenhaus behandelt werden und öffentliche Termine absagen, weil sie sich zu schwach fühlte.

Aber Loki Schmidt hatte nichts dafür übrig, über die vielen Wehwehchen zu klagen, die sie plagten. Das hohe Alter sei «nicht sehr lustig». «Es gibt Augenblicke, da macht das Leben überhaupt keinen Spaß, dann jammer' ich ein bisschen vor mich hin», sagte sie über die melancholischen Momente des Alltags im Alter. «Das tue ich aber nur, wenn ich allein bin.» Ist jemand in der Nähe, «muss ich mich zusammennehmen, und das will ich auch». Zu ihrem 90. Geburtstag wünschte sich Loki Schmidt vor allem, die verbleibende Zeit weiter gemeinsam mit ihrem Mann verbringen zu können. Es wäre schön, «wenn wir beide gleichzeitig davongehen».

Loki Schmidt sei «im besten Sinne hamburgisch: bodenständig, ehrlich, humorvoll, hanseatisch zurückhaltend», beschrieb der ehemalige Hamburger Bürgermeister Ole von Beust die «Loki-Art» bei der Verleihung ihrer Ehrenbürgerwürde im Rathaus. «Ich bin stolz, eine Hamburgerin zu sein», betonte Loki Schmidt immer wieder.

Die junge Hannelore Glaser studierte Pädagogik und war bis 1972 Lehrerin. Ihren Helmut lernte sie schon in der Schule kennen. 1942 heirateten die beiden. Im Mai 1944 wurde der Sohn Helmut Walter geboren, der noch im Säuglingsalter starb. Drei Jahre später folgte die Geburt von Tochter Susanne. Diese lebt seit langem in England. Die Repräsentationspflichten einer Kanzler-Gattin in Bonn übernahm Loki Schmidt 1974 mit gemischten Gefühlen. Auch damals ging sie lieber in den Botanischen Garten als auf Empfänge.

Schon als «lütte Deern» hatten es ihr Blumen, Kräuter und Gräser angetan. Die Stifterin und Ehren-Professorin setzte sich Jahrzehnte später äußerst öffentlichkeitswirksam für bedrohte Pflanzenarten ein. Seit 1980 kürte sie die «Blume des Jahres». Sie habe Natur- und Umweltschutz zu einem gesellschaftlich akzeptierten Wert gemacht und damit zum Durchbruch verholfen, loben Umweltaktivisten.

Das Geheimnis des langen, gemeinsamen Lebens mit «ihrem Helmut» sah die leidenschaftliche Naturschützerin und Raucherin auch darin, dass keiner dem anderen etwas vormache, dass sie zusammen auch lachen und streiten könnten. «Wir haben immer versucht, so zu sein, wie wir sind.» Ihr Erscheinungsbild veränderte Loki Schmidt Jahrzehnte lang kaum: Die dunkle Kurzhaarfrisur mit frechem Pony gehörte ebenso dazu wie Rollenkragenpulli und schlichte Röcke oder Hosen. Auch anderen Gewohnheiten blieben sie und ihr Mann trotz aller Anti-Werbung und Verboten treu: Immer griffbereit waren bis zuletzt die Zigaretten.

Gesellschaft
21.10.2010 · 23:01 Uhr
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