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«Logan Lucky»: «Ocean's Eleven» ohne Glanz, mit Bauernglück

Steven Soderbergh ist zurück – und er lässt Channing Tatum, Adam Driver und Daniel Craig auf Raubzug gehen.

Der größte Feind von «Logan Lucky» dürfte eine zu hohe Erwartungshaltung sein. Denn diese Räuberposse ist das Kinocomeback von Steven Soderbergh, dem Regisseur solch unterschiedlicher Filme wie Side Effects, Magic Mike, Contagion, Sex, Lügen und Video sowie Ocean's Eleven. Soderbergh verkündete 2013 seinen Abschied vom Kinogeschäft (zumindest als Regisseur). Alle, die aber mit der Erwartung an «Logan Lucky» herangehen, dass dies also ein genialer, andersartiger Stoff sein muss, weil er Soderbergh entgegen seines Vorhabens zurück auf den Film-Regieposten gezerrt hat … Tja … Die muten dem Heist-Movie mehr zu, als er tragen kann. Die Hintergründe sind schlichter: Soderbergh, der 2013 noch im Fernsehen die Zukunft gesehen hat, wurde zuletzt von den Strukturen im TV gefrustet, und so öffnete er sich wieder für seine frühere Medienliebe. Für eine glorreiche Rückkehr ist Logan Lucky also vielleicht nicht spektakulär genug. Denkt man sich Soderberghs Leinwandpause weg, ist die diebisch-entspannte Komödie eine launige Erweiterung seines Filmschaffens.

Jimmy Logan (Channing Tatum) hat seine Glanzzeiten hinter sich: In der Schule waren alle Mädels hinter ihm her und die Jungs beneideten ihn für seine Sportlichkeit. Aus der ihm in Aussicht gestellten Football-Profikarriere wurde aber nichts. Eine Verletzung nahm ihm die Chance, aus der Unterschicht West Virginias auszubrechen. Und nun, mitten im Arbeitsleben, suchen ihn seine kaputten Knochen erneut heim: Seine Verletzung sei ein Versicherungsrisiko. Daher wird er von seiner Stelle als Bauarbeiter gefeuert. Jimmys Bruder Clyde (Adam Driver) ist davon überzeugt, dass auf den Logans ein Fluch des Unglücks liegt, und dieser an allem Schuld ist. Doch Jimmy hält dies für dummes Geschwätz von seinem einarmigen Bruder, der als Barkeeper nur Hohn und Spott erntet.

Quasi zum Beweis dessen plant er, NASCAR zu berauben: Jimmy hat zufällig erfahren, wie beim Charlotte Motor Speedway an Renntagen das Geld transportiert und bewahrt wird. Gemeinsam mit dem regional bekannten, aktuell problematischerweise inhaftierten, Bankräuber Joe Bang (Daniel Craig) wollen die Brüder allen Hindernissen zum Trotz das Ding durchziehen …

Wie auch eine Anspielung im Film selbst verrät: Logan Lucky ist als Ocean's Eleven ohne den Las-Vegas-Glanz angedacht. Und dafür sind auch alle Markenzeichen gegeben. Die Figuren sind leicht überzeichnet und sympathisch, vor allem dank des herrlich aufgelegten Ensembles. Channing Tatum und Adam Driver haben als dickköpfiges Brüdergespann die Ruhe weg und beweisen in ihrer verqueren Mischung aus provinzieller Trägheit und gerissener Bauernschläue eine ungewöhnliche Ausstrahlung. Daniel Craig wirkt in seinem Part als Salz liebender Sprengstoffexperte wie ausgewechselt – mit einer ansteckenden Spielfreude und unbändiger Energie. Und auch Riley Keough punktet als Mellie Logan: Die Logan-Schwester mag so aussehen, als hätte sie nur ihr Aussehen im Sinn, doch Keough verleiht der Rolle eine charmant-feiste Art.

Der Rest des Casts, darunter Marvels Winter Soldier Sebastian Stan als gesundheitsvernarrter Rennfahrer, Seth MacFarlane als britischer NASCAR-Snob, Katie Holmes als Jimmys strenge, aber nicht herzlose Ex und Oscar-Gewinnerin Hilary Swank sowie Katherine Waterston (Alien: Covenant) in Minirollen, verleiht dem Film zwar keinen eigenen Anstrich, hat aber sichtbaren Spaß daran, unter Soderberghs Regieführung zu agieren. Neben süffisantem Wortwitz bietet Logan Lucky in den Szenen, die sich um den verschachtelten und mehr als einmal intensiv auf den Glücksfaktor setzenden Raubzug der Logans drehen, zudem einiges an Situationskomik.

Dennoch ist das unter dem Pseudonym Rebecca Blunt entstandene Drehbuch keines, das es auf Lachmuskelattacken in Dauerbefeuerung absieht. Soderberghs Blue-Collar-Ocean's Eleven mutet wie eine der zurückgelehnten Komödien der Coen-Brüder an, mit ausführlichen Nonsense-Dialogen und Lokal- sowie Sozialkolorit-Momenten, die höchstens durch dezente Spitzen amüsieren wollen. An die brillante Beobachtungsgabe der Coens reicht Lucky Logan nicht heran, und wenn Jimmys Tochter bei einem Talentwettbewerb auftritt, drückt Soderbergh arg auf die erzählerische Bremse, im Glauben, dies würde automatisch für Gänsehaut sorgen. Dafür hat er mit dem Haken schlagenden Epilog einen Trumpf im Ärmel, der das Heist-Genre mit wonnig-verschmitzten Grinsen ins Absurde führt, dabei aber weiter die Gelassenheit der von Tatum cool verkörperten Hauptfigur ausstrahlt.

Fazit: Logan Lucky ist eine Raubzugposse, die mit diebischer Freude und sonniger Gelassenheit vorgeht.

Logan Lucky ist ab sofort in deutschen Kinos zu sehen.
Kino / Die Kino-Kritiker
14.09.2017 · 16:49 Uhr
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