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Liu widmet Nobelpreis den Massaker-Opfern

Demonstration für Liu XiaoboGroßansicht

Peking (dpa) - Nach dem Nobelpreis für Liu Xiabao lässt die chinesische Führung nichts unversucht, dessen Frau zu drangsalieren. Sie steht in Peking unter Hausarrest, selbst Diplomaten können keinen Kontakt zu ihr aufnehmen. Die Botschaft ihres Mannes trägt sie trotzdem in die Welt.

Liu Xiaobo widmete seinen Friedensnobelpreis unterdessen den Opfern des Massakers vom Platz des Himmlischen Friedens aus dem Jahr 1989. Nach einem Treffen unter Tränen im Gefängnis zitierte seine Frau Liu Xia ihren Mann, der Preis gehöre «den Seelen der Getöteten» der niedergeschlagenen Demokratiebewegung vom 4. Juni 1989. Die Polizei hielt die 50-Jährige auch am Montag unter Hausarrest in ihrer Pekinger Wohnung fest. Menschenrechtsgruppen forderten Freiheit für Liu Xiaobo und seine Frau. Aus Protest gegen den Friedensnobelpreis sagte China kurzfristig ein Ministertreffen mit Norwegen ab.    

Schon vor dem einstündigen Treffen im Gefängnis im 500 Kilometer von Peking entfernten Jinzhou (Provinz Liaoning) am Samstagabend war Liu Xiaobo von der Verwaltung über den Preis unterrichtet worden. Der 54-Jährige, der 1989 Teil der Demokratiebewegung war, habe tief bewegt der Opfer gedacht, berichtete Liu Xia im Internet via Kurzmitteilungsdienst Twitter. «Sie haben mit ihrem Leben dafür bezahlt, dass sie den Geist von Frieden, Demokratie, Freiheit und Gewaltlosigkeit praktiziert haben», zitierte Liu Xia ihren Mann.

Nach ihrer Rückkehr nach Peking war es Liu Xia weiter verwehrt, Freunde oder Journalisten zu kontaktieren. Auch ihr Handy war unbrauchbar. Sicherheitsleute hatten das Wohngebiet abgeriegelt. Auch ein europäischer Diplomat wurde nicht durchgelassen. Im Auftrag von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte er eine Botschaft überreichen wollen. «Uns wurde aber der Zugang zu dem Wohnkomplex verweigert», berichtete der EU-Diplomat der Nachrichtenagentur dpa. «Eine Erklärung wurde uns nicht gegeben.» Sicherheitsleute wiesen auch Journalisten ab: «Geht weg.» Fotos durften nicht gemacht werden.

Menschenrechtler forderten die Freilassung von Liu Xiaobo, der als führender Kopf der chinesischen Bürgerrechtsbewegung gilt, sowie volle Bewegungsfreiheit für seine Frau. Die Weltgemeinschaft müsse sich für die beiden und alle politischen Gefangenen in China einsetzen, forderte die in den USA ansässige Organisation Human Rights in China (HRiC). «Wir hoffen, dass die ausländischen Staatschefs dieses schändliche Vorgehen der chinesischen Regierung umgehend verurteilen», sagte Lius Rechtsbeistand Yang Jianli nach Angaben der US-Organisation Freedom Now.

Aus Protest gegen die Auszeichnung für Liu Xiaobo in Oslo setzte China Regierungskontakte mit Norwegen aus. Wie der norwegische Rundfunksender NRK meldete, sagte die Pekinger Führung einen Besuch der Osloer Fischereiministerin Lisbeth Berg-Hansen kurzfristig ab. Die Absage sei sowohl von offizieller chinesischer Seite wie auch der Botschaft der Skandinavier in Peking bestätigt worden. Sofort nach der Verleihung hatte Peking mit Schaden für die Beziehungen gedroht.

Trotz Intervention aus Peking hatte das Osloer Nobelkomitee den Bürgerrechtler am Freitag für «seinen langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte» geehrt. Der 54-Jährige gilt als führender Kopf hinter der «Charta 08», einem Aufruf für Demokratie und Menschenrechte in China. Chinas Regierung hatte empört reagiert und Liu Xiaobo als «Kriminellen» bezeichnet. Hingegen stieß die Auszeichnung im Westen auf große Zustimmung.

Nobelpreise / International / China
11.10.2010 · 15:31 Uhr
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