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Linke haben Sehnsucht nach Lafontaine

Die Linken-Politiker Lafontaine (l-r), Lötzsch, Ernst und Gysi beim Gedenken an Rosa Luxemburg. Foto: Jörg Carstensen/ArchivGroßansicht

Berlin (dpa) - Der Ruf nach einem bundespolitischen Comeback des früheren Linke-Chefs Oskar Lafontaine wird immer lauter. Nach Fraktionschef Gregor Gysi machte sich am Montag auch Parteichefin Gesine Lötzsch für eine Spitzenkandidatur des saarländischen Fraktionschefs bei der Bundestagswahl 2013 stark.

Selbst Lafontaines Widersacher Dietmar Bartsch wünscht sich den 68-Jährigen als Zugpferd für den Wahlkampf nach Berlin zurück.

Mit Appellen zur Geschlossenheit nach monatelangen Personalquerelen läutete die Linke am Montag im früheren DDR-Premierenkino Kosmos in Berlin das politische Jahr 2012 ein. Parteichef Klaus Ernst sprach von einem Jahr der Bewährung. «Eine Partei ist nur dann erfolgreich, ... wenn sie zusammenhält», sagte er. Ähnlich äußerte sich Fraktionschef Gregor Gysi: «Wir brauchen Solidarität nach außen, und die ist nach außen nur glaubwürdig, wenn wir sie nach innen üben.»

Der geschäftsführende Bundesvorstand und die Landeschefs verständigten sich am Abend darauf, die Führungsdebatte bis zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 6. Mai auszusetzen. Erst danach sollen sich die Kandidaten für die künftige Doppelspitze auf Regionalkonferenzen vorstellen. Bisher haben nur Lötzsch und Bartsch angekündigt, auf dem Parteitag in Göttingen Anfang Juni für die Spitzenämter zu kandidieren. Ernst hat sich noch nicht erklärt.

Der Vorstoß von vier Landesverbänden für einen Mitgliederentscheid über die neue Parteispitze war in der vergangenen Woche am Veto des geschäftsführenden Bundesvorstands gescheitert. Die Antragsteller versicherten nach Angaben eines Parteisprechers am Montag, die Entscheidung nicht bei der Bundesschiedskommission anfechten zu wollen.

Die Linke hat das wohl bitterste Jahr seit ihrer Gründung aus ostdeutscher Linkspartei/PDS und westdeutscher WASG vor fünf Jahren hinter sich. Bei den Landtagswahlen kassierte sie mehrere Schlappen, in Umfragen sackte sie auf 6 bis 8 Prozent ab, und inhaltlich machte sie vor allem mit Debatten über ihren Kommunismusbegriff oder die Haltung zu Israel und Fidel Castro Schlagzeilen. Die Folge war heftige innerparteiliche Kritik am Führungsduo Lötzsch und Ernst.

Lötzsch befürwortete beim Jahresauftakt eine erneute Spitzenkandidatur Gysis bei der Bundestagswahl 2013 und stellte sich auch hinter den Vorstoß des Fraktionschefs für eine Co-Kandidatur Lafontaines. «Ich glaube, das wünschen sich viele in unserer Partei», sagte sie. Selbst Bartsch, der sich vor zwei Jahren mit Lafontaine überworfen hatte, unterstützt nun eine Rückkehr des Saarländers in die Bundespolitik. «Ich hoffe, dass Oskar Lafontaine in den Wahlauseinandersetzungen des Jahres 2013 auch bei der weiteren Profilierung der Partei eine sehr wichtige Rolle spielt», sagte Bartsch im ARD-«Morgenmagazin».

Lafontaine hatte im Mai 2010 wegen einer Krebserkrankung auf eine erneute Kandidatur als Parteivorsitzender verzichtet. Inzwischen ist der derzeitige saarländische Fraktionschef voll genesen. Zu einer Rückkehr in die Bundespolitik hat er sich bisher noch nicht geäußert. Am Jahresauftakt in Berlin nahm er am Montag nicht teil.

Parteien / Linke
16.01.2012 · 20:55 Uhr
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