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«Lidl-Check» - Lidl macht billig und Bangladesch hungert

Erfolgsformat Markencheck: Für den WDR untersuchten Redakteure der Ratgebersendung Markt im vergangenen Jahr Unternehmen wie Tchibo, Ikea und Aldi. Obwohl nur im Dritten ausgestrahlt, erreichten die Episoden respektable Quoten: Mehr als 1,4 Millionen Zuschauer verfolgten im Schnitt die fünf Episoden, den Aldi-Check sahen sogar 2,4 Millionen. Ein Überraschungserfolg, der nun mit einem Sendeplatz im Ersten belohnt wird und zwar zur besten Zeit um 20.15 Uhr.

Damit auch Zuschauer geködert werden, die die Sendung nicht bereits aus dem WDR kennen, beginnt die Reihe mit Brisanz: Der Lidl-Check verspricht einiges an Aufregung und eine gute Quote. Lidl, der größte Discounter Europas und mit mehr als 3000 Filialen die Nummer zwei in Deutschland, ist faktisch ein Garant für Skandale. 2008 bestimmte die Discounter-Kette über einen längeren Zeitraum die deutschen Schlagzeilen - damals wurde bekannt, dass der Konzern seine Mitarbeiter über Kameras in den Supermarkt-Filialen überwachte. Nur ein Jahr später folgte der nächste Skandal: Lidl soll Krankheitsgründe und -zeiten der Mitarbeiter penibel genau protokolliert haben.

Nach dem Bekanntwerden der Datenschutzmissbräuche gelobte die Geschäftsleitung Besserung im Umgang mit den Mitarbeitern. Ein Punkt im Lidl-Check ist deswegen nun auch die Fairness. Und es stellt sich heraus, dass die Arbeitsbedingungnen bei Lidl heute erheblich besser sind als ihr Ruf. Aber das Team vom WDR geht noch erheblich weiter, als nur den Umgang mit Verkäufern in deutschen Supermärkten zu untersuchen. Die Redakteure fahren bis Bangladesch, um die Arbeitskonditionen in Fabriken zu untersuchen, die Textilien für Lidl herstellen.

Hauptsache billig

Kaum überraschend, dass das Check-Team dort schnell fündig wird: Während sich im Umgang mit deutschen Angestellten seit den Skandalen 2008 und 2009 einiges getan hat - Gehälter nach Tarif, bezahlte Überstunden und die Möglichkeit zur Gründung von Betriebsräten - sind die Bedingungen der Näherinnen in Bangladesch erschreckend schlecht. Der Mindestlohn liegt bei 30 Euro im Monat, mehr gibt es nur bei vielen Überstunden. Dabei arbeiten die meisten Beschäftigten schon regulär zwischen 10 und 16 Stunden pro Tag.

Gegenüber den verdeckt auftretenden WDR-Journalisten prahlen Fabrikbesitzer mit den billigen Produktionskosten - nirgendwo in der Welt würden Arbeiter weniger Lohn erhalten als hier. Dass man auch in Bangladesch von monatlich 30 Euro nicht leben kann und die meisten Näherinnen in Slums leben und Hunger leiden, ist den Lidl-Bossen offenbar egal. Hauptsache billig produzieren.

Aber das Team vom Markencheck versteift sich nicht auf die Produktionsbedingungen im Fernen Osten, sondern untersucht die deutschen Lidl-Supermärkte auch hinsichtlich Preisvorteil, Stressfaktor und Qualität. Die Redakteure gehen fair vor, vergleichen den Discounter mit seinem Hauptkonkurrenten Aldi und vermeiden es, das Thema reißerisch aufzuarbeiten.

Dabei fördern sie vor allem im Vergleich verschiedener Supermärkte überraschende Resultate zu Tage, zum Beispiel, welche Bedeutung der Geruchssinn oder ein frisches Obst- und Gemüseangebot bei der Bindung eines Kunden an den Supermarkt hat.

In der kommenden Woche geht die Sendung mit dem McDonald's-Check in die nächste Runde, am 23. Januar folgt der H&M-Check.

Der Lidl-Check, Montag, 9. Januar 2012, 20.15 Uhr, Das Erste

[news.de] · 09.01.2012 · 10:19 Uhr
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