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Libyens Machthaber Gaddafi droht mit Vergeltung

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Tripolis (dpa) - Krieg in Nordafrika: Eine internationale Streitmacht hat Libyen angegriffen, um Gewalt von Machthaber Muammar al-Gaddafi gegen das eigene Volk zu unterbinden. Zwei Tage nach Verabschiedung der UN-Resolution drangen französische und britische Kampfflugzeuge in den libyschen Luftraum ein.

Später am Samstag und Sonntag feuerten Tarnkappenbomber, U-Boote und Kriegsschiffe aus den USA und Großbritannien mindesten 110 Marschflugkörper und Bomben auf mehrere Dutzend Ziele entlang der Mittelmeerküste. Gaddafi drohte mit Widerstand und blutiger Vergeltung. Die Flugverbotszone sei «wirksam eingerichtet», verkündete US-Generalstabschef Mike Mullen im Fernsehsender CNN.

Der libysche Diktator kündigte einen «langen, ruhmreichen Krieg» gegen die «Kreuzritter» und «neuen Nazis» an. Eine Million Libyer würden dafür bewaffnet.

Im Krieg gegen die «Kreuzritter» werde «das ganze Mittelmeer zum Schlachtfeld», drohte er. Die Gegner bezeichnete er als «Monster» und «Kriminelle». «Ihr werdet stürzen, wie Hitler gestürzt ist. Alle Tyrannen stürzen.»

«Dies ist nun eine Konfrontation des libyschen Volkes mit Frankreich, Großbritannien und den USA, mit den neuen Nazis», erklärte er am Sonntag in der nur im Ton vom Fernsehen übertragenen Rede.

In Washington und London wurde die erste Angriffswelle als Erfolg bezeichnet. Mehrere Länder bedauerten dagegen den Einsatz militärischer Gewalt, aus Russland kam scharfe Kritik. Auch China und Indien bedauerten den Waffengang.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, kritisierte den Einsatz. Mussa, der die Mitgliedstaaten der Liga in der vergangenen Woche dazu gedrängt hatte, die UN-Resolution zu unterstützen, sagte in Kairo: «Für den Schutz der Zivilisten braucht man keine Militäroperationen

US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatzbefehl an seine Streitkräfte für eine «begrenzte Militäroperation in Libyen» gegeben. «Diese Aktion hat jetzt begonnen», sagte Obama bei seinem Besuch in Brasilien.

Ungeachtet des internationalen Eingreifens setzten die Truppen des libyschen Staatschefs ihre Angriffe auf Regimegegner fort. Schwere Kämpfe wurden vor allem aus der rund 200 Kilometer östlich von Tripolis gelegenen Stadt Misurata gemeldet.

Der internationale Einsatz stützt sich auf eine UN-Resolution, die den Einsatz aller notwendigen Mittel erlaubt, um die libysche Zivilbevölkerung vor den Angriffen der Gaddafi-Truppen zu schützen. Der UN-Sicherheitsrat hatte sie in der Nacht zum Freitag verabschiedet. Deutschland hatte sich enthalten. Die Bundesregierung lehnt den Einsatz deutscher Soldaten in Nordafrika ab.

Die erste Angriffswelle begann am Samstagnachmittag, unmittelbar nach einem Libyen-Gipfel in Paris, bei dem internationaler Spitzenpolitiker die Umsetzung der UN-Resolution erörtert wurde.

Nach Angaben der libyschen Behörden wurden bei den Angriffen der westlichen Allianz 64 Menschen getötet und 150 weitere verletzt.

Diese Behauptung des Gaddafi-Regimes bezeichnete der britische Verteidigungsminister Liam Fox als Propaganda. Die Angriffe seien mit sehr exakten Waffen ausgeführt worden, «die so konstruiert sind, dass sie Opfer unter Zivilisten oder andere Kollateralschäden minimieren», sagte er.

Russland kritisierte den Einsatz scharf. Durch Luftschläge auf Brücken und andere nicht rein militärische Ziele seien auch mindestens 48 Zivilisten ums Leben gekommen. Solche Angriffe seien von der UN-Resolution nicht gedeckt, erklärte das Außenministerium in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax.

Russland und China hatten sich - wie Deutschland - bei der Abstimmung über die UN-Resolution enthalten. In Berlin forderte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) Gaddafi auf, den von der Internationalen Gemeinschaft verlangten Waffenstillstand einzuhalten.

An den ersten Angriffen waren nur amerikanische, britische und französische Streitkräfte beteiligt. Fox sagte, er hoffe, dass sich spätestens am Montag der erste arabische Staat an der Militäraktion beteiligen werde. «Ich glaube, es ist sehr wichtig für die öffentliche Meinung in der arabischen Welt, zu zeigen, dass nicht nur der Westen handelt, sondern dass eine internationale Koalition handelt», sagte er.

Auch bei der Nato zeichnete sich eine direkte Beteiligung ab. Militärs und Botschafter der 28 Länder hätten in wesentlichen Fragen einen Konsens über einen Einsatz erreicht, berichteten Diplomaten am Sonntag in Brüssel. Einige Details seien noch offen. Nach wie vor fehlt ein politisches Mandat, allerdings wollen die Botschafter dies so bald wie möglich beschließen.

Gaddafi-loyale Truppen setzten am Sonntag ihre Angriffe auf das eingeschlossene Misurata fort. Die Stadt würde von drei Seiten mit Artilleriegeschützen beschossen, sagte ein Bewohner der BBC. Panzer würden ins Stadtgebiet vorrücken. Auch Wohngebiete lägen unter schwerem Feuer. Ein Sprecher der Rebellen sagte, Misurata werde in Grund und Boden geschossen. Die Lage für die Zivilbevölkerung werde dort immer dramatischer.

Noch vor Beginn des internationalen Militäreinsatzes hatten Gaddafis Truppen einen Überraschungsangriff auf Bengasi unternommen. Die Kämpfe reichten bis dicht ans Zentrum der Stadt heran, konnten von den Aufständischen aber abgewehrt werden. Mindestens 90 Menschen kamen dabei ums Leben, sagten Krankenhausärzte dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira.

Konflikte / Libyen
20.03.2011 · 17:40 Uhr
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