News
 

Letzte Runde im Fall «Cap Anamur» auf Sizilien

Cap AnamurGroßansicht
Agrigent (dpa) - Nach drei Jahren ist der Prozess gegen den ehemaligen «Cap-Anamur»-Vorsitzenden Elias Bierdel wegen einer Flüchtlings-Rettungsaktion im Mittelmeer in seine wahrscheinlich letzte Runde gegangen. Die Prozess in Agrigent begann am Vormittag, mit einem Urteil wird am Nachmittag gerechnet.

Bierdel und seinem Mitangeklagten Kapitän Stefan Schmidt wird Beihilfe zur illegalen Einwanderung in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. Die strittige Rettung, die damals weltweit Schlagzeilen machte, liegt fünf Jahre zurück.

Der Vorwurf sei für ihn «genauso absurd, wie wenn man mich der Kinderschänderei bezichtigen würde», erklärte Bierdel kurz vor der Anhörung. Er sei jedoch pessimistisch und rechne nicht nicht mit Freispruch, da das Urteil politisch motiviert sei. «Es geht hier darum, ein Signal zu setzen - mit unfeinen Methoden.» Kapitän Schmidt rechnet zwar mit Freispruch, spricht aber ebenfalls von politischer Motivation. «Wenn das ein rein juristischer Fall wäre, dann wären wir doch längst draußen», so Schmidt.

Die Männer hatten im Sommer 2004 mit dem Hilfsschiff «Cap Anamur II» im Mittelmeer 37 Afrikaner aus einem überfüllten Schlauchboot gerettet, das zu sinken drohte. Die Bootsflüchtlinge durften erst nach einer dreiwöchigen Irrfahrt durchs Mittelmeer in Sizilien an Land gehen. Die italienischen Behörden vertraten damals den Standpunkt, die Flüchtlinge hätten in Malta an Land gehen müssen, da sie in maltesischen Gewässern aufgegriffen worden seien.

Die Kölner Organisation Cap Anamur wurde 1979 von dem Journalisten Rupert Neudeck gegründet. Zu internationaler Bekanntheit kam sie in den 80er Jahren durch die Rettung tausender Vietnam- Flüchtlinge im Südchinesischen Meer.

Migration / Prozesse / Italien / Deutschland
07.10.2009 · 11:26 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

Weitere Themen