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Lebenslang für Rote-Khmer-Folterknecht Duch

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Phnom Penh (dpa) - Mit der Verurteilung des obersten Foltermeisters der Roten Khmer hat das kambodschanische Völkermord-Tribunal seinen ersten Fall endgültig abgeschlossen.

Die Revisionskammer des Völkermord-Tribunals verurteilte Kaing Guek Eav alias Genosse Duch am Freitag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft. Sie erhöhte damit das Strafmaß für Duch, einen der Hauptverantwortlichen der Massaker unter der Herrschaft der Roten Khmer in Kambodscha.

Duch leitete das Foltergefängnis Tuol Sleng, in dem mindestens 12 000 Menschen umkamen. Die Verbrechen des 69-Jährigen gehören «ohne Zweifel zu den schlimmsten seit Beginn der menschlichen Geschichtsschreibung», sagte der Präsident der Revisionskammer, Kong Srim, nach der Verkündung des Urteils. «Kaing Guek Eav leitete und betrieb diese Todesfabrik für mehr als drei Jahre. Er ist verantwortlich für die rücksichtslose Ausrottung von mindestens 12 272 Individuen», sagte Kong Srim. Duch zeigte keine Gefühle, als das Urteil verlesen wurde.

Das ursprüngliche Urteil hatte auf 35 Jahre Haft gelautet. Die Haftzeit wurde wegen abgesessener Untersuchungshaft und früherer Verfahrensfehler auf 19 Jahre reduziert. Gegen dieses Urteil hatten neben dem Angeklagten auch Staatsanwaltschaft und Nebenkläger Berufung eingelegt. Die Revisionskammer bestätigte die Schuldsprüche und befand Duch zusätzlich der Ausrottung, Folter, Versklavung und Freiheitsberaubung für schuldig.

Vertreter der Opfer und der kambodschanischen Regierung begrüßten in ersten Reaktionen das Urteil. Kritik gab es allerdings von Opferseite wegen der Ablehnung weiterer Entschädigungsforderungen. Auch die Forderung nach Einführung eines Gedenktages wurde zurückgewiesen. Menschenrechtler kritisierten zudem, dass eine ursprüngliche Verringerung von Duchs Gefängnisstrafe wegen illegaler Einkerkerung aufgehoben wurde.

Gegen das Urteil gibt es keine Berufung. Damit ist der erste Fall des Völkermordtribunals abgeschlossen. Duch ist bislang der einzige wegen Gräueltaten verurteilte Drahtzieher des Terrorregimes. Drei weiteren Spitzenvertretern wird zur Zeit der Prozess gemacht.

Die Roten Khmer wollten eine kommunistische Agrargesellschaft verwirklichen. Sie vertrieben die Städter aufs Land. Hunderttausende starben durch Hungersnöte, Seuchen und Zwangsarbeit. Das Regime ließ weitere Hunderttausende als Feinde der Revolution foltern und hinrichten. Unter den Roten Khmer kamen von 1975 bis 1979 nach Schätzungen bis zu 2,2 Millionen der 8 Millionen Einwohner ums Leben.

Geschichte / Prozesse / Kambodscha
03.02.2012 · 13:37 Uhr
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