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Lebenslang für Ärztin nach Morphium-Mord an Ehemann

Mord aus Habgier oder doch Totschlag? Lydia H. wartet mit ihrem Rechtsanwalt im Landgericht in Aachen auf den Beginn der Verhandlung. Foto: Henning KaiserGroßansicht

Aachen (dpa) - Eine Ärztin ist wegen Mordes an ihrem 85-jährigen Mann mit einer Überdosis Morphium zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Die 36-Jährige habe ihren Mann auch deshalb aus dem Weg geräumt, um für eine neue Arbeitsstelle in Ulm und für ihren neuen Liebhaber frei zu sein, sagte der Vorsitzende Richter Gerd Nohl in Aachen. Sie habe dabei ihren Beruf als Ärztin missbraucht. Die Richter am Landgericht sprachen ein lebenslanges Berufsverbot aus.

Verteidiger Reinhard Birkenstock kündigte Revision an. Er hatte die Tat als Totschlag in einem minder schweren Fall gewertet.

Die Mörderin wirkte bei der Urteilsverkündung wie versteinert. Nach fünf Monate langem Schweigen hatte sie im Prozess die Tat gestanden. Laut Urteilsbegründung hat die Frau mit ihrem Mann im Februar 2011 über die Zukunftspläne der Ärztin gestritten und Sekunden vor der Tat den Mordplan gefasst. Sie habe ihrem Mann zehn Ampullen Morphium gespritzt.

Der Ehemann habe die damals drogenabhängige Prostituierte von der Straße geholt, ihr Schule, Studium und Ärzte-Ausbildung ermöglicht. Als sie fertig war, habe sie einen anderen 67 Jahre alten Mann in Süddeutschland kennengelernt und in Ulm eine Stelle bekommen. Das Vertrauensverhältnis des Ehepaars sei gestört gewesen. Der 85-Jährige habe ihre Konten geräumt und gesperrt.

Aber der körperlich unterlegene Mann habe nicht damit gerechnet, dass seine Frau ihn angreifen würde. «Er war arg- und wehrlos», sagte Nohl. Seine Frau habe sich das Überraschungsmoment zunutze gemacht.

Anwalt Birkenstock konnte keinen kalt geplanten Mord erkennen. Der Ehemann habe die Frau im Streit schwer gedemütigt. Abgrundtief erregt, zornig und ins Mark getroffen habe sie ihn getötet. Sie habe die Tat nicht geplant, sondern im Affekt gehandelt, hatte Birkenstock in seinem Plädoyer gesagt.

Prozesse / Kriminalität / Urteile
10.07.2012 · 18:27 Uhr
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