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Lebenslänglich für NS-Kriegsverbrecher Scheungraber

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München (dpa) - Der ehemalige Wehrmachtsoffizier Josef Scheungraber ist in einem der letzten NS-Kriegsverbrecherprozesse in Deutschland zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Die Münchner Schwurgerichtskammer befand ihn am Dienstag des Mordes an zehn italienischen Zivilisten für schuldig. Der heute 90-Jährige hatte nach Auffassung der Richter im Juni 1944 den Befehl gegeben, als Racheakt für einen Partisanenüberfall ein Haus mitsamt unschuldigen Gefangenen in die Luft zu sprengen.

Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Scheungrabers Anwälte kündigten Rechtsmittel an. Sie hatten Freispruch verlangt. Scheungraber hat eine Beteiligung an dem Massaker stets bestritten. Er verfolgte die Urteilsverkündung ohne sichtbare Reaktion. Auf ein letztes Wort unmittelbar vor dem Urteil hatte er verzichtet.

Scheungrabers Kompanie des Gebirgspionierbataillons 818 war im Juni 1944 damit beschäftigt, eine Brücke für den Rückzug zu reparieren. Drei Soldaten gerieten in einen Partisanenhinterhalt - zwei wurden getötet, einer verwundet. Der diensthabende Kompaniechef Scheungraber habe auf Divisionsebene um Sühnemaßnahmen gebeten und dann als einziger anwesender Offizier den Befehl zur Umsetzung gegeben, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl. Dabei sollten männliche Personen egal welchen Alters festgenommen und getötet werden.

Vier Männer wurden erschossen, die Verantwortung dafür konnte nicht abschließend geklärt werden. Elf weitere Männer, unter ihnen auch Jugendliche und alte Männer, wurden in ein vermintes Haus in dem Ort Falzano die Cortona getrieben und in die Luft gesprengt. Nur ein 15-Jähriger überlebte. Der Racheakt Scheungrabers habe Unschuldige getroffen, da man der wahren Täter nicht habhaft werden konnte, sagte Richter Götzl. «Bei seinem Vorgehen kam es dem Angeklagten darauf an, seinen Hass wegen des Todes seiner Soldaten abzureagieren und sich zu rächen.»

An der Urteilsverkündung nahmen auch Hinterbliebene der Opfer und Bewohner des betroffenen Ortes teil. «Ich bin sehr zufrieden», sagte Andrea Vignini, Bürgermeister der Stadt Cortona, zu dem Falzano di Cortona gehört. Das Urteil sei ein «Wort der Wahrheit und Gerechtigkeit». In Italien war Scheungraber schon 2006 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Als deutscher Staatsbürger wurde er zur Strafvollstreckung aber nicht ausgeliefert.

Staatsanwalt Hans-Joachim Lutz sprach von einem «Meilenstein» bei der Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen. «Die Vergangenheit hat den Angeklagten eingeholt.» Der Direktor des Jerusalemer Büros des Wiesenthal Centers, Efraim Zuroff, unterstrich in einer Mitteilung: «Da heutige Urteil bestärkt die Sichtweise, dass der zeitliche Abstand zur Tat in keiner Weise die Schuld der Täter vermindert und dass das hohe Alter nicht dem rechtlichen Schutz der Mörder dienen darf.»

Im Herbst stehen in Deutschland zwei weitere Prozesse wegen Nazi- Verbrechen an. In Aachen soll am 28. Oktober das Verfahren gegen einen 88-jährigen beginnen, der als Mitglied eines SS-Killerkommandos drei Niederländer ermordet haben soll. In München soll der mutmaßliche Wachmann im Vernichtungslager Sobibor, John Demjanjuk, wegen Beihilfe zum Mord an 27 900 Juden vor Gericht gestellt werden.

Prozesse / Kriegsverbrechen
11.08.2009 · 17:44 Uhr
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