News
 

Lage in Somalia nun offiziell «Hungersnot»

Flüchtlingscamp in ÄthiopienGroßansicht

Addis Abeba/Nairobi/Rom (dpa) - Angesichts der entsetzlichen Zustände am Horn von Afrika haben die Vereinten Nationen nun offiziell eine Hungersnot ausgerufen.

Die Menschen in den Regionen Bakool und Lower Shabelle im Süden Somalias seien nicht mehr in der Lage, Nahrungsmittel zu finden, sagte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Somalia, Mark Bowden, in Nairobi.

Die UN planen jetzt eine der größten Notfalloperationen ihrer Geschichte und werben um internationale Unterstützung. Unter anderem ist eine Luftbrücke nach Südsomalia im Gespräch - vor allem um Kindern, Müttern und schwangeren Frauen zur Hilfe zu kommen.

Das Welternährungsprogramm (WFP) bezeichnete die Krise als «weltweit höchste humanitäre Priorität». Bowden: «Wenn wir nicht sofort handeln, wird sich die Hungernot innerhalb der nächsten zwei Monate wegen ausfallenden Ernten und der Ausbreitung ansteckender Krankheiten auf alle acht Regionen in Südsomalia ausweiten.»

Eine Hungersnot wird dann ausgerufen, wenn mehr als 30 Prozent der Kinder unterernährt sind und täglich zwei von 10 000 Menschen durch die Lebensmittelknappheit ums Leben kommen. Zuletzt war dies 2008 im Südsudan und 2000 in der Somali-Region in Äthiopien geschehen.

In Teilen Südsomalias liege die Sterblichkeitsrate bereits bei täglich sechs Kindern unter fünf Jahren auf 10 000 Einwohner, sagte Bowden. Zur Dürre kommen die extrem hohen Lebensmittelpreise in der Region. Insgesamt seien bereits 3,7 Millionen Menschen allein in Somalia von der Krise betroffen. «Zehntausende sind schon gestorben, die meisten von ihnen Kinder», betonte Bowden. Diese verzweifelte Situation erfordere ein sofortiges Eingreifen. Bis Ende September würden 300 Millionen Dollar (212 Millionen Euro) gebraucht, um die Folgen der Dürre zu bekämpfen, aber diese Summe werde wahrscheinlich noch steigen. «Die kommenden zwei Monate sind besonders kritisch, aber wir müssen uns auch auf langfristige Hilfen vorbereiten.»

Das WFP will unterdessen die größte Notfalloperation seiner Geschichte starten, um vor allem Kinder in der Region mit vitaminreicher Spezialnahrung zu versorgen. «Die ersten drei Lebensjahre sind entscheidend für das Wachstum des Gehirns», sagte WFP-Direktorin Josette Sheeran in Addis Abeba. Unterernährung in diesem Zeitraum habe gravierende Auswirkungen auf die Entwicklung eines Kindes. Allerdings sei es in Somalia - anders als etwa in Äthiopien und Kenia - sehr schwer, die Menschen zu erreichen, die am dringendsten Hilfe brauchen. Es werde nun darüber nachgedacht, Lebensmittel für Mütter und Babys per Luftbrücke ins Land zu bringen, wo sie von vor Ort tätigen Organisationen verteilt werden sollen.

Die Al-Shabab-Miliz hatte zuletzt erstmals seit Jahren wieder Hilfslieferungen in Somalia zugelassen. Denn viele Hungernde sind bereits zu schwach, um die Flüchtlingslager in Äthiopien und Kenia zu erreichen. «Somalia ist wahrscheinlich das riskanteste Gebiet, in dem wir arbeiten», erklärte Sheeran. Rund ein Dutzend WFP-Mitarbeiter seien dort seit 2008 ums Leben gekommen. Hinzu komme die fehlende Infrastruktur. Ein «transparenter Dialog» mit der Welt sei nötig, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. «Aber wir sind fest entschlossen, überall dahin zu gehen, wo Menschen an Hunger leiden.»

Sheeran dankte der Internationalen Gemeinschaft für die großzügigen Soforthilfen, die das WFP erhalten habe. «Aber die Spenden müssen weitergehen, bis wir die Früchte unserer Bemühungen ernten», erklärte sie.

Die in Rom ansässige UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) hat zu diesem Thema für kommenden Montag ein internationales Treffen angesetzt. Daran teilnehmen wollte unter anderem Frankreichs Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire.

Links zum Thema
WFP-Pressemitteilung
UN / Hunger / Somalia
20.07.2011 · 15:39 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen