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Lafontaine will «Willy-Brandt-Korps»

Willy-Brandt-StatueGroßansicht

Berlin (dpa) - Vor einer möglichen Rückkehr des früheren Linke-Chefs Oskar Lafontaine in die Bundespolitik wildern Linke und SPD nach Medienberichten gegenseitig im fremden Revier.

Demnach will der Saarländer, selbst ehemals SPD-Vorsitzender, den Sozialdemokraten ihre Galionsfigur Willy Brandt streitig machen - im Gegenzug hat die SPD ein Auge auf enttäuschte Funktionäre der Linken geworfen und wirbt um Überläufer.

Lafontaine schlägt nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» (Freitag) ein «Willy-Brandt-Korps für internationale Katastrophenhilfe» als Alternative zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr vor. «Statt der Armee im Einsatz will die Linke eine humanitäre Hilfstruppe. Die Milliarden, die bisher für Kriege ausgegeben werden, wollen wir für Hilfe bei der Bewältigung internationaler Krisen und Katastrophen einsetzen», zitiert die «Süddeutsche» aus einem Änderungsantrag Lafontaines für den Programmparteitag der Linken Ende Oktober in Erfurt.

Unterstützt wird Lafontaines Vorstoß auch von Linke-Parteichef Klaus Ernst: «Der Name ist genau richtig», lobte Ernst, der wie Lafontaine ebenfalls früher der SPD angehörte. «Wir müssen uns heute mehr denn je an Willy Brandts Grundprinzip erinnern, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf.» Lafontaine hat mehrfach klar gemacht, dass er sich nach wie vor als politischer Erbe Brandts versteht. In seiner Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr berief sich Lafontaine wiederholt auf den einstigen Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger.

Die SPD ihrerseits will aus den Debatten bei der Linken Profit schlagen und macht unzufriedenen Funktionären einen Wechsel zu den Sozialdemokraten schmackhaft: «Ich hoffe, dass viele pragmatische Linke angesichts der immer heftigeren inhaltlichen und personellen Konflikte in ihrer Partei über Alternativen nachdenken», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann der «Berliner Zeitung» (Freitag). «Wer von der Geisterfahrt in die Vergangenheit die Nase voll hat und stattdessen Reformpolitik und Zukunft gestalten will, der ist in der SPD herzlich willkommen.»

Die Linkspartei werde sich zu einer ostdeutschen Regionalpartei zurückentwickeln, sagte Oppermann. «Nichts ist so schwach wie eine Idee, über die die Zeit hinweggegangen ist. Weder Gysi noch Lafontaine werden den Niedergang der Linken aufhalten.»

Parteien / Linke
07.10.2011 · 16:24 Uhr
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