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Lafontaine, der Krebs und die Gerüchteküche

Ehepaar Lafontaine/MüllerGroßansicht
Saarbrücken/Berlin (dpa) - Seine Krebs-Operation hat Oskar Lafontaine hinter sich - nicht aber die Berichterstattung: Die Öffentlichkeit nahm via Medien heftig Anteil an der Erkrankung des 66-Jährigen - wie zuvor schon an einem anderen Aspekt seines Privatlebens.

Nachdem «Der Spiegel» am Wochenende Gerüchte über eine angebliche Affäre des Linken-Parteichefs mit einer prominenten Genossin öffentlich machte, hat die Debatte über das Private in der Politik neue Nahrung erhalten.

Es war wohl auch der Druck nach dem Magazinbericht, der Lafontaine dazu bewog, seine Krankheit bereits am Dienstag öffentlich zu machen. Die Partei hatte eigentlich erst für den Donnerstag eine Erklärung geplant - nach dem Auftritt im Saar-Landtag, nach der Operation. Man ahnte, welche Welle der Aufmerksamkeit der Nachricht folgen würde.

Auch deshalb waren selbst im engeren Führungskreis nur wenige eingeweiht. «Um weiteren Spekulationen vorzubeugen, teilt Oskar Lafontaine mit» - so war die knappe Mitteilung über die Krebserkrankung überschrieben. Zumindest was die Spekulationen über die politische Zukunft Lafontaines angeht, hat der Hinweis wenig genützt. Die Nachfolgedebatte war, befeuert auch von den Medien, losgetreten.

«Die Presse achtet das Privatleben und die Intimsphäre des Menschen. Berührt jedoch das private Verhalten öffentliche Interessen, so kann es im Einzelfall in der Presse erörtert werden», heißt es in Ziffer 8 des Pressekodexes. Diesen Einzelfall sieht der «Spiegel» eingetreten. Bei Lafontaine «hat das Private höchst politische Folgen. Deshalb haben wir darüber berichtet», sagt Chefredakteur Georg Mascolo dem «Tagesspiegel».

Berichtet hat das Wochenmagazin auch, der Parteichef habe ein Verhältnis mit der Kommunistin Sahra Wagenknecht gehabt und geschlussfolgert, Lafontaines überraschender Rückzug von der Fraktionsspitze könnte damit zusammenhängen. «Hätten die Wähler erfahren, was die Redakteure erfuhren, wäre das Wahlergebnis womöglich anders ausgefallen», heißt es im Vorwort der «Spiegel»-Ausgabe. Von der Krebserkrankung wusste das Blatt indes nichts.

«Wir haben keinen Anlass, an unserer Darstellung zu zweifeln», verteidigt Mascolo den Artikel. Die Partei habe bestätigt, dass in der Führung bereits seit Jahresbeginn darüber gesprochen worden sei, dass Lafontaine nach der Bundestagswahl nicht mehr die Fraktion führen werde. Grund sei womöglich, wird spekuliert, dass die Ehefrau von Lafontaine ihren Mann wegen der Affäre zum Rückzug von der Fraktionsspitze gedrängt haben könnte. Der «Spiegel» sprach von «Wählertäuschung», über deren Ursachen man berichten müsse.

Insider sagen dagegen, Lafontaines Entscheidung hänge allein mit dem Ausgang der Bundestagswahl zusammen: Hätte das Ergebnis nur wieder eine große Koalition von Union und SPD zugelassen, dann wäre der 66-Jährige auch Vorsitzender der Bundestagsfraktion geblieben - um bereitzustehen für den Fall, dass das schwarz-rote Bündnis zerbricht.

Und was die angebliche Liäson mit der Parteigenossin angeht: Letztlich gibt es nur Gerüchte. Die allerdings werden seit Monaten auch fleißig von Funktionären der Partei gestreut, die sich an Lafontaines Führungsstil reiben. Geschrieben fand sich selten etwas dazu.

«Für den "Spiegel" ist dies eine doppelte Blamage», findet die «Tageszeitung» (taz). Der Tenor - auch in vielen Blogs im Internet - ist, dass das Magazin zu weit gegangen sei. «Im besten Falle lernen die Medien aus diesem GAU etwas - nämlich, dass altmodische Zurückhaltung und Respekt vor dem Privaten nicht das Schlechteste sind. Es stimmt, die Grenze zwischen Öffentlichem und Privatem ist auch von Politikern durchlöchert worden», schreibt die «taz» weiter.

Mit Verdächtigungen und Unterstellungen hat Lafontaine, der viele Gegner hat und schon Opfer einer lebensgefährlichen Messerattacke war, schon immer zu kämpfen. Versuche von Medien in den 90er Jahren, ihm eine «Rot-Lichtaffäre» anzuhängen, nannte er «Schweinejournalismus». Die aktuelle Affären-Berichterstattung hält Linksfraktions-Sprecher Hendrik Thalheim für «erstunken und erlogen».

Parteien / Linke / Medien
22.11.2009 · 21:55 Uhr
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