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Länder wollen 18 Millionen weitere Impfdosen

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Berlin (dpa) - Trotz verbreiteter Impfmüdigkeit wollen Bund und Länder die Massenimpfung gegen die Schweinegrippe ausweiten und die Bevölkerung damit vor möglicherweise tödlichen Risiken schützen.

Die Länder wollen 18 Millionen weitere Impfdosen bestellen und sich damit zugleich den späteren Zugriff auf weitere Impfstoffe sichern. Das beschlossen die Landesgesundheitsminister bei einer Sondersitzung am Montag in Berlin. Sie stellten dies unter einen Finanzierungsvorbehalt, wie Hamburgs Gesundheitssenator Dietrich Wersich (CDU) mitteilte. Eine Arbeitsgruppe von Bund und Länder soll die ungeklärten Finanzfragen an diesem Mittwoch in Berlin klären.

Mit der Bestellung der weiteren Impfdosen, die nach bisherigem Stand für 9 Millionen Menschen zusätzlich ausreichen, sicherten sich die Länder die Option für weitere Nachbestellungen beim Hersteller Novartis, erläuterte Wersich. Die Länder machten allerdings zur Voraussetzung, dass der Bund die Kosten für Impfstoffe übernehme, die nicht gebraucht würden. Bisher sind 50 Millionen Dosen bestellt, die bei der bislang als nötig erachteten Zweifach-Impfung für 25 Millionen Menschen ausreichen sollen. Wersich betonte, falls eine Impfung reiche, halbiere sich die Menge des benötigten Stoffs. Der in Zellkulturen erzeugte Impfstoff hatte im ersten Pilotversuch bei 80 Prozent der Beteiligten bereits nach einer Dosis immunisierend gewirkt.

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) erläuterte, der zusätzliche Impfstoff selbst werde von den Krankenkassen erstattet. Bundesgesundheitsmininsterin Ulla Schmidt (SPD) war mit den Kassen übereingekommen, dass diese die Impfkosten für die Hälfte aller Versicherten tragen müssen. Dies wären rund 35 Millionen Menschen. Diese Zahl ist auch mit dem neuen Beschluss noch nicht erreicht. Wenn sich weitere Menschen impfen lassen wollten, sollen die Kassen die Kosten von Bund und Ländern erstattet bekommen. Dieser Streitpunkt ist somit weiter offen.

Gesundheitsstaatssekretär Klaus Theo Schröder, der an den Länder-Gesprächen teilnahm, zeigte sich dennoch zuversichtlich: «Ich hab den Eindruck, dass wir in der Lage sein werden, das, was notwendig ist, in den nächsten Wochen zu tun.» Der Impfstoff solle Mitte Oktober zugelassen sein und dann Woche pro Woche produziert werden, erläuterte Schröder. Auf Unvorhersehbarkeiten sollten sich die Beteiligten einrichten, mahnte Schröder.

Die Krankheit, an der bislang in Deutschland niemand starb, könne schwerere Verläufe annehmen, sagte Wersich. Todesfälle seien nicht ausgeschlossen. Schröder sagte, Ende Januar oder Anfang Februar solle die Massenimpfung abgeschlossen sein. Zuerst sollen die Mitarbeiter etwa der Gesundheitsdienste geimpft werden, dann die Risikogruppen von Chronikern. Letztlich solle jeder Bürger die Möglichkeit zur Impfung haben, forderte Schröder. Bislang sind eine Milliarde Euro vorgesehen für die Impfung der Hälfte der Versicherten. Pro zehn Prozent mehr beliefen sich die Kosten auf rund 200 Millionen Euro, sagte Schröder.

Fast zwei Drittel der Deutschen wollen sich einer Umfrage im Auftrag der DAK zufolge allerdings gar nicht gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Zum Start der Impfungen im Herbst werden 62 Prozent der Befragten die Spritze nach eigenen Angaben «auf keinen Fall» oder «wahrscheinlich nicht» in Anspruch nehmen. Besonders stark ist die Ablehnung in Bayern und Baden-Württemberg: Dort erklärten nur je neun Prozent der Befragten, dass sie sich «ganz sicher» impfen lassen werden. Zum Vergleich: In Ostdeutschland waren es 23 Prozent, im bundesweiten Durchschnitt 14 Prozent.

Die Bundesärztekammer forderte im MDR, den Sinn der Massenimpfung noch einmal zu überprüfen. Der Leipziger Virologe Uwe Gerd Liebert warnte in der «Leipziger Volkszeitung» dagegen vor einem zu sorglosem Umgang mit der Schweinegrippe.

Gesundheit / Grippe
07.09.2009 · 22:12 Uhr
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