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Kurzporträts: Die Spitzenkandidaten zur EU-Wahl

Der EU-Parlamentspräsident und CDU-Spitzenkandidat für die Europawahl 2009, Hans-Gert Pöttering. (Archivbild)Großansicht
Berlin (dpa) - Die Spitzenkandidaten zur EU-Wahl:

Hans-Gert Pöttering - CDU-Pionier des EU-Parlaments

Der CDU-Spitzenkandidat und EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering ist einer der Pioniere der Straßburger Volksvertretung. Nach der Europawahl am 7. Juni wird er der einzige Abgeordnete sein, der dem Parlament seit der ersten Direktwahl 1979 angehört. Bedacht und eher mit leiser Diplomatie, aber nicht ohne Beharrlichkeit wirkt der 63 Jahre alte Jurist seit den 70er Jahren an der Gestaltung Europas mit. Bei seinen politischen Freunden gilt der CDU-Politiker aus Niedersachsen als Mann, der sein Wort hält. Bei seinem Einzug in das EU-Parlament war Pöttering 33 Jahre alt. Seitdem setzt sich der geradlinige Norddeutsche für ein vereintes Europa ein. In die CDU trat Pöttering bereits mit 19 Jahren ein.

Martin Schulz: Der SPD-«Kissinger von Würselen» =

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz kämpft für ein «soziales Europa». Der ehemalige Friedensaktivist und gelernte Buchhändler wurde schon mit 31 Jahren in seiner Heimatstadt Würselen bei Aachen jüngster Bürgermeister in Nordrhein-Westfalen. Seit 1994 ist er im Europaparlament. 2004 übernahm er dort den Fraktionsvorsitz der europäischen Sozialisten. Seine Vorliebe für Außenpolitik trug ihm den Spitznamen «Kissinger von Würselen» («Süddeutsche Zeitung») ein. Im Parlament ist der 52-Jährige eine der Schlüsselfiguren für die Verabschiedung von Gesetzesvorhaben. Er arbeitete jahrelang eng mit dem damaligen Konservativen-Fraktionschef Pöttering zusammen, um die Macht des Parlaments zu stärken.

Silvana Koch-Mehrin: «Das FDP-Gesicht Europas» =

Für die Freien Demokraten ist Silvana Koch-Mehrin «das Gesicht Europas». Bundesweit lächelt sie für die FDP von den Plakaten. Ihre Partei setzt bei der Europawahl wieder auf die dreifache Mutter aus Brüssel, die selbst ganz europäisch lebt: Ihr Ehemann ist Ire. Mit ihrem sympathisch-aufrichtigen Auftreten - ausdrücklich als «Rabenmutter», die für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eintritt - sorgt die 38-jährige Diplomaten-Tochter dafür, dass das Thema Europa überhaupt im Gespräch bleibt. Im Europaparlament sind die Haushaltspolitik, die Demokratisierung der EU und die Entbürokratisierung die Hauptthemen der Wirtschaftshistorikerin.

Harms und Bütikofer: Grüne Doppelspitze

Die Grünen ziehen mit zwei Spitzenkandidaten in die Europawahl. Rebecca Harms (52) ist bereits Vizepräsidentin der Grünen- Fraktion im Europäischen Parlament und Sprecherin der deutschen Grünen-Europaabgeordneten. Zu ihren Kernthemen zählt bis heute die Atom- und Energiepolitik. Selbst in der Nähe von Gorleben beheimatet, gehört sie zu den Gründern der Bürgerinitiative gegen das dortige Atommülllager.

«Die Dynamik in Europa ist groß, das wird immer wichtiger», sagte Reinhard Bütikofer (56) zur Begründung seines Schrittes auf die EU- Bühne. Der Realo, der sechs Jahre an der Spitze der grünen Partei gestanden hatte, ist maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass die Grünen nach dem Ende von Rot-Grün im Bund 2005 nicht stärker auseinanderdrifteten, sondern sich auf einen eigenständigen Öko- und Sozialkurs verständigten. Der schwergewichtige Stratege erarbeitete sich Anerkennung als Integrator, dem Zuhören, ironische Pointen und eindringliche Rhetorik gleichermaßen liegen.

Bisky: Ein Marxist für Europa

Nach Mitgliedschaft in Volkskammer, Landtag und Bundestag sowie aufregenden Jahren als Chef der PDS und der ihr nachfolgenden Linken steht für Lothar Bisky der Wechsel nach Europa bevor. «Die Linke will die Europäische Union weder abschaffen noch zurück zur ausschließlichen Nationalstaatlichkeit», sagt der 67-Jährige zum europakritischen Kurs seiner Partei. Er lehnt aber den Vertrag von Lissabon ab, kritisiert die Militärpolitik der EU und verlangt mehr Mitbestimmung der Bürger. Geboren wurde Bisky am 17. August 1941 in Zollbrück in Pommern, später wuchs er in Schleswig-Holstein auf. Als 18-Jähriger ging er in die DDR, weil er sich dort eine bessere Zukunft versprach. 1963 trat er in die SED ein. Von 1986 bis 1990 war er Rektor der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam- Babelsberg. Erst mit dem Zusammenbruch der DDR ging er in die große Politik.

Wahlen / EU
07.06.2009 · 09:17 Uhr
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