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Kurzporträts: Die neue SPD-Spitze

Trost für NahlesGroßansicht
Dresden (dpa) - Sozialdemokraten mit Hang zum Aberglauben haben vielleicht Schlimmes befürchtet. Aber im Reigen des immer schnelleren Austauschs des SPD-Führungspersonals ist Sigmar Gabriel glatt zum 13. Parteichef nach dem Krieg gewählt worden - und das auch noch an einem Freitag, dem 13..

Die neue Parteispitze in Kurzporträts:

Parteivorsitzender:

SIGMAR GABRIEL: Mit 50 Jahren jüngster Parteichef seit Willy Brandt. Umweltminister in der großen Koalition. Profilierte sich im Wahlkampf mit Attacken gegen Atomkraft. Griff nach dem Wahldesaster entschlossen nach dem SPD-Vorsitz. Gilt als politisches Naturtalent, geschickter Verkäufer und Selbstvermarkter, begnadeter Rhetoriker mit Polemik und Witz. Der gelernte Lehrer aus Goslar scheiterte aber wiederholt an seinem Temperament. Seit 1977 SPD-Mitglied, mit 40 jüngster deutscher Ministerpräsident in seinem Heimatland Niedersachsen (1999-2003). Nach der Abwahl Wechsel nach Berlin und Intermezzo als «Pop-Beauftragter» der Sozialdemokraten, was ihm eher Spott als Anerkennung einbrachte («Siggi Pop»). Liiert mit einer Zahnärztin aus Magdeburg.

Die vier Partei-Vize:

MANUELA SCHWESIG (36): Junge Ostfrau mit Sozialkompetenz und Blitz-Karriere. Erst seit kurzem Sozialministerin in Mecklenburg- Vorpommern. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier holte sie für Familienpolitik in sein Wahlkampfteam - als «strahlender Nordstern» und «Ursula Leyen von der SPD». Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann nach Schwerin. Dort engagierte sie sich zunächst in der Kommunalpolitik, bevor sie im Oktober 2008 ins Schweriner Kabinett eintrat - als bundesweit jüngste Landesministerin. Die Mutter eines zweijährigen Sohnes ist politisch noch ein unbeschriebenes Blatt und gilt bislang als zu vorsichtig. Ob sich Schwesig in der Führungsriege profilieren kann, ist unsicher.

HANNELORE KRAFT (48): SPD-Chefin in Nordrhein-Westfalen, wo sie im Mai 2010 als Spitzenkandidatin gegen CDU-Amtsinhaber Jürgen Rüttgers die nächste wichtige Landtagswahl bestehen muss. Die gelernte Bankkauffrau und studierte Wirtschaftswissenschaftlerin sieht sich selbst als Pragmatikerin, die keinem SPD-Flügel angehört. Auch ohne den typischen Stallgeruch und die übliche Ochsentour machte sie im größten SPD-Landesverband schnell Karriere - zunächst als Europa- und dann bis Mai 2005 als Wissenschaftsministerin. Seit dem SPD-Machtverlust auch Fraktionschefin in Düsseldorf. Bundespolitisch bislang noch in der zweiten Reihe. Verheiratet, ein Sohn.

KLAUS WOWEREIT (56): Regierender Bürgermeister von Berlin und schon seit acht Jahren an der Spitze einer rot-roten Koalition. Gilt deshalb - für nicht wenige in der SPD irrtümlich - als Linker sowie als Wegbereiter einer bundesweiten Öffnung zur Linkspartei. Hoffnungsträger mit Ambitionen auf die nächste Kanzlerkandidatur. Mit 56 Jahren schon der Senior innerhalb der neuen SPD-Spitze. Gelernter Jurist, passionierter Partygänger, Skat- und Golfspieler und nicht bei allen in der Partei sonderlich beliebt. Lebt mit einem Arzt zusammen. Bekanntester Satz, immer noch: «Ich bin schwul - und das ist auch gut so.»

OLAF SCHOLZ (51): Bis vor kurzem Bundesarbeitsminister, aber schon wieder gut beschäftigt: als Fraktions-Vize im Bundestag für Innen und Recht zuständig. Seit dem letzten Wochenende - zum zweiten Mal nach Unterbrechung - auch SPD-Landesvorsitzender in Hamburg. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht hat schon viele Karriere-Stationen hinter sich: Innensenator in Hamburg, SPD-Generalsekretär und Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Früher wegen arger Funktionärssprache als «Scholzomat» gescholten, zuletzt einer der Aktivposten in der großen Koalition. Verheiratet mit einer Hamburger SPD-Politikerin.

Generalsekretärin:

ANDREA NAHLES (39): Trotz ihres Alters schon lange im SPD-Geschäft aktiv. Bislang stellvertretende SPD-Vorsitzende. Einst Chefin der Nachwuchsorganisation Jusos und für kurze Zeit schon einmal als Generalsekretärin vorgesehen: 2005, gegen den Willen von Franz Müntefering, der deshalb nicht mehr Parteichef sein wollte. Begabte Strippenzieherin aus Rheinland-Pfalz, Germanistin und bekennende Katholikin. Sieht sich nicht unbedingt mehr als Vertreterin des linken Flügels. Gilt bei vielen in der SPD als Frau für noch höhere Aufgaben. Liiert mit einem Bonner Kunsthistoriker.

Bundesgeschäftsführerin:

ASTRID KLUG (41): Bislang Parlamentarische Umwelt-Staatssekretärin bei Gabriel. Die Saarländerin verlor bei der Wahl auch ihr Bundestagsmandat. Hatte sich eigentlich auf eine Auszeit eingestellt. Die gelernte Bibliothekarin zählt sich sowohl zu den reformorientierten Netzwerkern als auch zu den SPD-Linken. In der SPD-Zentrale muss Klug den Neuaufbau organisieren und einen anstehenden eisernen Sparkurs nach der Wahlpleite sozialverträglich durchsetzen. Nach Anke Fuchs erst die zweite Frau in diesem Amt.

Parteien / SPD / Parteitag
13.11.2009 · 22:31 Uhr
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