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Kultusminister wollen radikale Bachelor-Reform

Die Bachelor-Studiengänge sollen reformiert werden.
Berlin (dpa) - Die Kultusminister wollen das umstrittene Bachelor-Studium radikal reformieren. Die Stofffülle und die Prüfungszahl sollen begrenzt, die Studienzeiten insgesamt flexibler gestaltet und die Anerkennung von Studienleistungen beim Hochschulwechsel garantiert werden.

Dies sieht das neue bundesweite Konzept für die Bachelor- und Masterstudiengänge vor, das die Kultusminister an diesem Donnerstag in Bonn beschließen wollen. Das Papier liegt der Deutschen Presse- Agentur dpa vor.

Die seit Wochen protestierenden Studenten haben für das Treffen in Bonn erneut eine Großdemonstration angekündigt. Sie wollen wegen der zahlreichen Studienprobleme die Kultusminister auf ihrer Konferenz «zum Nachsitzen» zwingen. Der Deutsche Hochschulverband rief alle Dozenten auf, die Lehrveranstaltungen zu verschieben, um den Studenten die Teilnahme an der Demonstration zu ermöglichen. Zehn Jahre nach Einführung der Bachelor-Studiengänge sei «kein einziges Reformziel erreicht worden», sagte Präsident Bernhard Kempen. Unter der verfehlten Umsetzung der Bologna-Reformen litten Lernende und Lehrende gleichermaßen. Im Hochschulverband sind rund 25 000 Professoren organisiert.

Die Kultusminister sparen in ihren neuen bundesweiten Vorgaben für die Bachelor- und Masterstudiengänge nicht an Kritik gegenüber den Hochschulen. Sie fordern die Universitäten auf, das Bachelor-Studium nicht länger einheitlich auf sechs Semester zu begrenzen, sondern je nach Fach auch sieben oder acht Semester zuzulassen. Die Gesamt- Regelstudienzeit einschließlich des Masterabschlusses soll allerdings weiter fünf Jahre betragen.

Die Hochschulen müssten das Studium so organisieren, dass ein Student nicht länger als 32 bis 39 Stunden pro Woche mit Vorlesungen, Seminaren, Übungen, Praktika und Selbststudium beschäftigt ist - bei 46 Studienwochen pro Jahr, heißt es in den Vorgaben der Minister. «Die Hochschulen haben die Studierbarkeit des Studiums unter Berücksichtigung der Arbeitsbelastung der Studierenden (...) nachvollziehbar darzulegen.»

Umstritten unter den Kultusministern ist hingegen noch, ob die Hochschulen nach dem Bachelor-Abschluss für die Fortsetzung der wissenschaftlichen Ausbildung in einem Masterstudiengang «weitere Zugangsvoraussetzungen bestimmen» können. Auch könnten Landeshochschulgesetze «eine entsprechende Eingangsprüfung vorsehen», heißt es in der Vorlage weiter. Die Abschaffung dieser zusätzlichen Zugangshürden zum Master ist eine Kernforderung des studentischen Protestes. Viele Studenten befürchten, dass sie nur mit einem Bachelor-Abschluss schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Vor allem die Universitäten wollen an den Zulassungsbeschränkungen für den Master festhalten.

Nach Aussage des Statistischen Bundesamtes haben die in sechs unionsgeführten Bundesländern erhobenen Studiengebühren bislang nicht zu einer Massenflucht von Studienanfängern in gebührenfreie Länder geführt. Hamburg und Baden-Württemberg verzeichneten 2008 im Vergleich zu 2005 trotz Einführung der Gebühren erneut einen Zugewinn an Studenten aus anderen Bundesländern - während dieser in Bayern allerdings deutlich zurückging. In Nordrhein-Westfalen schlug der 2005 noch erzielte Wanderungsgewinn im Studienjahr 2008 sogar in einen Wanderungsverlust um. Bundesländer, die keine Studiengebühren erheben, verzeichneten zwischen 2005 und 2008 sowohl Wanderungsgewinne als auch Verluste.

Die Einnahmen der Hochschulen aus allgemeinen Studiengebühren, Langzeitgebühren bei Überschreitung der Regelstudienzeit oder auch Rückmelde- und Prüfungsgebühren beliefen sich 2007 auf über eine Milliarde Euro - und waren damit 2,6 mal so hoch wie 2006. In diesem Jahr waren erstmals allgemeine Studiengebühren erhoben worden. Zugleich gingen zwischen 2005 und 2007 die Aufwendungen des Staates für die Grundmittel der Hochschulen bundesweit um 400 Millionen auf 16,8 Milliarden Euro zurück.

Das Deutsche Studentenwerk und der Deutsche Gewerkschaftsbund forderten eine umfassende Reform des BAföGs. Die Fördersätze sollten um drei bis vier Prozent, die Elternfreibeträge um vier bis fünf Prozent erhöht werden. Auch sollte die Altersgrenze für BAföG-Empfänger (30 Jahre) abgeschafft werden, um Studenten ein Studium auch nach einer Berufstätigkeit zu ermöglichen.

Bildung / Hochschulen / Proteste
09.12.2009 · 16:02 Uhr
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