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Kultusminister fordern Ende der Schuldebatte

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Wiesbaden (dpa) - Vor dem Volksentscheid zur sechsjährigen Primarschule in Hamburg haben die Kultusminister von Bayern und Hessen ein Ende der Schulstruktur-Reformen gefordert.

«Diese ganze Schulstruktur- und Schulformdebatte ist absolut unsinnig. Wir sollten uns endlich und ausschließlich um guten Unterricht kümmern, denn das ist die Kernaufgabe von Schule», sagte die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) der Nachrichtenagentur dpa.

Auch der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), warnte vor ständigen Reformen. «Als bayerischer Kultusminister bin ich der Meinung, dass wir nicht mit immer neuen Reformen an den Schulstrukturen für Unruhe und Verunsicherung sorgen dürfen», sagte Spaenle der «Passauer Neuen Presse» (Samstag).

Die jüngsten Bildungsstudien hätten gezeigt, «dass wir am mehrgliedrigen Schulsystem festhalten sollten», sagte Spaenle. In Ländern mit nur zwei Schulformen sei die Zahl der Schüler ohne Schulabschluss am höchsten, und die Leistungen der Schüler seien schlechter als anderswo.

Die FDP-Politikerin Henzler sagte, es bedeute keinen Unterschied, ob guter Unterricht in einem Gymnasium oder einer integrierten Gesamtschule stattfinde. «Hauptsache, der Unterricht ist wirklich gut und fördert individuell jedes Kind. Diese Strukturdebatten, die jetzt in Hamburg geführt werden, bringen eine solche Unruhe in die Schulen 'rein und verbessern überhaupt nichts.» Bei Bildungstests wie PISA schnitten stets diejenigen Länder mit einem sehr stabilen Schulsystem am besten ab, wie Bayern und Sachsen.

Henzler sagte, sie sei ein «absoluter Verfechter des Föderalismus», denn nur so gebe es einen Wettbewerb um gute Bildungspolitik. Deshalb wäre es aus Sicht der FDP-Politikerin eine Katastrophe, wenn die Pläne für eine sechsjährige Primarschule in Hamburg bundesweit umgesetzt würden.

Zudem gebe es keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass längeres gemeinsames Lernen für die Kinder besser sei. «Es gibt nur den Beleg, dass individuelle Förderung im Unterricht gut ist», sagte die Ministerin. Schulentwicklung dürfe zudem niemals von oben verordnet werden, sondern müsse von unten kommen. In Hessen werde deshalb nun aufgrund der rückläufigen Anmeldungen für Hauptschulen eine Mittelstufenschule eingeführt, die Haupt- und Realschüler besuchen können.

Schulen / Reformen / Hamburg / Bildung
17.07.2010 · 09:21 Uhr
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