News
 

Kultursymbol: Picasso, Beuys und die Glühlampe

GlühlampenzauberGroßansicht
Hamburg (dpa) - Sie machte die Nacht zum Tag und dunkle Straßen sicherer, ließ Städte erstrahlen und brachte heimelige Gemütlichkeit in die Wohnzimmer. Rund 130 Jahre hat die Glühlampe uns ihr warmes Licht geschenkt. Nun ist bald Schluss.

Vom 1. September an wird nach und nach die klassische 100-Watt-Glühbirne aus den Kaufhausregalen Europas verschwinden - und durch die Energiesparlampe ersetzt. Ganz verzichten muss man auf sie aber nicht. Ob in Kunst, Literatur oder als Symbol - in unserer Kultur wurde der leuchtenden Birne längst schon ein Denkmal gesetzt.

LITERATUR

In der Literatur machte Günter Grass die Glühlampe in seinem Jahrhundertwerk «Die Blechtrommel» unsterblich. Die Hauptfigur Oskar Matzerath schildert darin seine Geburt im Jahr 1924 wie folgt: «Ich erblickte das Licht dieser Welt in Gestalt zweier Sechzig-Watt-Glühbirnen.» Fraglich ist, ob spätere Generationen diesen Satz überhaupt noch verstehen werden. Fest steht: Ihnen wird dieses Erlebnis künftig nicht vergönnt sein.

KUNST

Befürchtungen gibt es zudem in der Kunstwelt. «Dass ein Gemälde wie "Guernica" von Picasso Verständnishilfe brauchen wird, wenn eben die Glühbirne nicht mehr da ist, ist ganz klar», warnte Ulrich Schneider vom Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt jüngst in einem Radiobeitrag. Auf dem berühmten Gemälde zum Spanischen Bürgerkrieg baumelt eine Glühlampe von der Decke.

Ein Denkmal für die glühende Birne setzte auch das Museum of Modern Art in New York. Dort steht seit 1969 Ingo Maurers «Bulb», eine überdimensionale Glühbirne aus Glas, mit einer gewöhnlichen Glühbirne im Inneren. Und auch Joseph Beuys war von der leuchtenden Glasbirne angetan. Er schuf die «Capri-Batterie», eine Glühlampe, die über ein Kabel mit einer Zitrone als Stromlieferant verbunden ist.

SYMBOL

Die Glühlampe steht seit ihrer Erfindung als Symbol für gute Ideen und Erleuchtung. Das leitet sich aus der Redewendung «es geht ihm ein Licht auf» ab, die auf Bibelstellen beruht. «Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen», heißt es bei Hiob. Und bei Matthäus: «Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und die da saßen am Ort und Schatten des Todes, denen ist ein Licht aufgegangen.»

UNTERHALTUNG

Dieses Symbol hat den berühmtesten Erfinder der Comicwelt auf den Plan gebracht: Daniel Düsentrieb aus Disney's Entenhausen. Vor 50 Jahren schuf der Comic-Hahn sein «Helferlein»: Kein Monster und kein Golem - sondern eine lebende, intelligente Glühbirne. Die steht dem schusseligen Erfinder seither zur Seite, agiert im Notfall als Feuerwehr, bringt eifrig den Erste-Hilfe-Kasten oder flüstert ihm Ideen ins Ohr.

WITZE

Angesichts der kulturellen Bedeutung ist die Trauer über den Verlust der Glühbirne groß. Dabei kann die gläserne Leuchte die Menschen auch zum Lachen bringen. Das zeigt die Internetseite www.zitate-welt.de, die ganze 119 Glühbirnenwitze zählt. Die zu lesen ist auf Dauer jedoch eintönig - sie alle haben das Wechseln einer Glühbirne zum Thema.

DIE JAHRHUNDERTGLÜHBIRNE

Wem die Glühlampen-Nostalgie künftig zu schwer zu schaffen macht, findet Trost im kalifornischen Livermore. Seit 108 Jahren erleuchtet dort die Jahrhundertglühbirne, das Centennial Light, das städtische Feuerwehrhaus. Die 4-Watt-Glühlampe steht im Guinnessbuch der Rekorde und wird rund um die Uhr von einer Webcam bewacht. Sie wurde in den 1890er Jahren von der Shelby Electrics Company in Ohio hergestellt. Seither brennt sie und brennt und brennt - und brennt wahrscheinlich noch, wenn irgendwann auch die Energiesparlampe durch eine neue Erfindung ersetzt wird.

Elektro / Energie / Umwelt
29.08.2009 · 12:57 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen