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Kritik an Sarkozy-Behauptung jetzt auch in Frankreich

Paris (dpa) - Auch in Frankreich schlägt Präsident Nicolas Sarkozy nun Kritik an seiner falschen Behauptung über die bevorstehende Räumung angeblicher Roma-Lager in Deutschland entgegen.

«Es entsteht der Eindruck, dass sich in der Regierung eine Praxis des Lügens breitmacht», kommentierte der sozialistische Parlamentsabgeordnete Claude Bartolone. Erst hätten Minister wie Eric Woerth und Brice Hortefeux die Unwahrheit gesagt. Nun lüge auch noch der Präsident.

«Diese Sitzung in Brüssel ist kurz vor der Übernahme der G20- Präsidentschaft das Schlimmste, was dem Präsidenten und Frankreich hätte passieren können», kritisierte der sozialistische Politiker. Der Vorfall schade dem Bild Frankreichs in Europa und schwäche die Kraft, die eigentlich von den deutsch-französischen Beziehungen ausgehen solle.

Der Präsidentenpalast wollte sich am Freitag nicht zu den Vorwürfen äußern. «Dazu gibt es von uns keinen Kommentar», sagte ein Élyséesprecher am späten Nachmittag. Sarkozy hatte am Donnerstag in Brüssel erklärt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihn über bevorstehende Räumungen von Roma-Lagern informiert - was die deutsche Regierung klar dementierte.

Selbst der französische Außenminister Bernard Kouchner äußerte sich distanziert. Er erklärte, er habe Sarkozy in Brüssel nicht mit Merkel reden hören - gestand aber später ein, beim Mittagessen der Staats- und Regierungschefs nicht dabei gewesen zu sein. Auf die Frage, wer gelogen habe, sagte Kouchner: «Das wird die Geschichte entscheiden.» Er habe keinen Grund dem Präsidenten nicht zu glauben, aber auch keinen Grund, Merkel nicht zu glauben. «Aber ich weiß, dass sie sehr gut miteinander auskommen», sagte Kouchner.

EU / Minderheiten / Migration / Frankreich
17.09.2010 · 22:44 Uhr
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