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Kritik an Prämien für Klinik-Einweisungen

Ein Patient wird nach der Operation aus dem Operationssaal gefahren. (Archivfoto)Großansicht
Berlin (dpa) - Extrahonorar für Patienteneinweisung: Kliniken bezahlen nach Insiderangaben immer öfter Ärzte, wenn sie ihnen Kranke zur Behandlung schicken. Medizinische Gründe stehen demnach in einer wachsenden Zahl der Fälle nicht allein im Vordergrund.

«Dass niedergelassene Ärzte von Krankenhäusern Prämien für die Einweisung von Patienten erhalten, ist ein unfassbarer Skandal», kritisierte der Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, am Montag in Berlin.

Krankenhäuser ließen sich die Einweisung eines Patienten, der eine neue Hüfte bekommt, bis zu 1000 Euro kosten, berichtet die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Montag) unter Berufung auf Krankenkassen. Die umstrittene Praxis gehe durch alle Fachrichtungen.

Die Prämien wurden von der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) an die Öffentlichkeit gebracht. Vor allem in Ballungsräumen sei die Konkurrenz unter den Kliniken groß, so die DGU. Die Häuser gingen zunehmend dazu über, Ärzte für Patienten mit bestimmten Diagnosen zu bezahlen. Nach Angaben der DGU handelt es sich um Summen, die das 10- bis 20-Fache des normalen Honorars für Urologen pro Quartal und Patient ausmachen.

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, sagte: «Es sind einige niedergelassene Ärzte, die die Krankenhäuser großem Anforderungsdruck aussetzen.» Verantwortlich machte Kösters die Politik, die den Wettbewerb im Gesundheitssystem viel zu stark anheize. Der Zeitung sagte Kösters: «Das sind nicht mehr nur Einzelfälle wie vor zwei oder drei Jahren.»

Die DGU bemängelte: «Ob die Zuweiser die Prämie fordern oder annehmen - es bleibt ein juristisch und ethisch überaus fragwürdiges Prozedere.» Die Gesellschaft will auf ihrer Jahrestagung Mitte September in Dresden weiter über das Problem der «gekauften/ verkauften Patienten» informieren. «Persönlich halte ich die von verschiedenen Arztgruppen, auch von Urologen, praktizierte Einweisungsvergütung für hochproblematisch», meinte DGU-Präsident Manfred Wirth.

Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte dem Blatt, Geld für eine Einweisung zu nehmen, sei «total verboten». Doch die Medizin sei in hohem Maß kommerzialisiert. «Da halten die Ehrenkodexe nicht mehr.»

Brysch betonte: «Die Opfer solcher Machenschaften sind in erster Linie die Schwerstkranken und Sterbenden.» In ihren letzten Lebensmonaten würden sie im Schnitt fünfmal zwischen Pflegeheim und Krankenhaus hin und her überwiesen. «Jetzt kommt heraus, wie sehr sich das für die niedergelassenen Ärzte lohnt», kritisierte Brysch.

Ärzte und Kliniken konstruieren laut DGU Kooperationsverträge als juristische Schlupflöcher. Das Grundproblem sei, dass es zu viele Krankenhäuser gebe. Die umstrittenen Prämien könnten das Vertrauen zwischen Ärzten und Patienten untergraben.

Beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gebe es keinen Überblick über die Verbreitung der Praxis, sagten Sprecher. «Aber es ist ein Problem», hieß es bei der KBV. Gemeinsam mit den Kliniken bereite die KBV ein Rundschreiben gegen die Praktiken vor.

Gesundheit / Ärzte
31.08.2009 · 17:20 Uhr
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