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Kriminalstatistik: Alle vier Minuten ein Einbruch

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Berlin (dpa) - Sie kommen über Balkone, durch offene Fenster und manchmal sogar am helllichten Tag: Alle vier Minuten steigen Einbrecher in Deutschland in eine Wohnung oder ein Haus ein. Das geht laut «Welt am Sonntag» aus der neuen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) hervor.

Demnach gab es im vergangenen Jahr so viele Diebstähle bei Wohnungseinbrüchen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Entwickelt sich Deutschland zu einem Paradies für Einbrecher? Zumindest die Zahl der Einbruchsdiebstähle stieg dem Bericht zufolge um 9,3 Prozent auf 132 595. Die Aufklärungsquote habe dagegen lediglich 16,2 Prozent betragen. Auch die Gesamtkriminalität sei 2011 erstmals wieder gestiegen - nachdem sie sechs Jahre lang zurückgegangen war. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will die Statistik an diesem Mittwoch in Berlin vorstellen.

Vor allem der Diebstahl elektronischer Geräte wie Laptops und Smartphones führt demnach dazu, dass auch die Schadenssummen neue Spitzenwerte erreichen. Christian Lübke vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sagte dem Blatt: «Insgesamt zahlten die deutschen Hausratversicherer rund 430 Millionen Euro, ein Plus gegenüber 2010 von 23 Prozent und so viel wie zuletzt vor 13 Jahren.» Die Schadenssumme liege bei 3050 Euro pro Einbruchsopfer.

Polizisten sehen hier auch die Politik in der Verantwortung - und sprechen von Sparmaßnahmen am falschen Ende. «Wenn die Polizei keine Kontrollen durchführen kann, weil das Personal fehlt, kommt es auch schneller zu Diebstahldelikten», sagte der erste stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Hermann Benker, der Nachrichtenagentur dpa. «Wir sind der völlig falsche Bereich, in dem Einsparungen getroffen werden können.»

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, forderte die Innenministerkonferenz auf, eine «konzertierte Aktion» gegen Wohnungseinbrüche zu beschließen. «Deutschland entwickelt sich zum Paradies für Einbrecher», sagte er der Zeitung.

Die Kriminalstatistik weist dem Bericht zufolge insgesamt 5,99 Millionen von der Polizei erfasste Straftaten aus. Das sei ein Zuwachs um ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zugleich sei die Aufklärungsquote von 56,0 auf 54,7 Prozent gesunken.

Auch das hänge mit den Einsparungen zusammen, sagte Benker. «Uns fehlt in vielen Bereichen das Personal, um in einzelnen Deliktbereichen tiefer zu gehen.» Polizisten kämen häufig nur noch zum Verwalten, aber nicht mehr zum Bekämpfen von Kriminalität.

Den größten Anteil an der Gesamtkriminalität haben laut «Welt am Sonntag» die Diebstahldelikte mit 40,1 Prozent. Registriert wurden demnach 2,4 Millionen Diebstähle - ein Plus von 4,4 Prozent. Der von Fahrrädern habe um 7,2 Prozent auf 328 748 Fälle zugenommen, der Diebstahl in und aus Kraftfahrzeugen (Airbags, Navigationsgeräte, Radios) um 2,2 Prozent auf 242 563 Fälle. Der Taschendiebstahl sei um 16 Prozent auf 120 790 Fälle gestiegen.

Das Innenministerium wollte die Zahlen auf dpa-Anfrage nicht kommentieren und verwies auf die offizielle Veröffentlichung am Mittwoch. Ein Sprecher betonte, dass die Verantwortung «in erster Linie bei den Landesregierungen» liege. Bei der Suche nach Lösungen müssten daher auch Länderspezifika beachtet werden.

Tatsächlich gibt es hier große Unterschiede: Das sicherste Bundesland ist wieder Bayern, wo es laut Zeitung im Vergleich die wenigsten Straftaten (4969 pro 100 000 Einwohner) gab. Dahinter folgt demnach Baden-Württemberg (5420). Das unsicherste Land bleibe Berlin (14 286), gefolgt von den anderen beiden Stadtstaaten Bremen (14 077) und Hamburg (12 812). Die sicherste Stadt sei München (7564 Verbrechen pro 100 000 Einwohner), die unsicherste Stadt Frankfurt/Main (16 137).

Kriminalität
13.05.2012 · 15:02 Uhr
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