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«Kreditausfall»: Fitch will Griechenland kurzfristig herunterstufen

London (dpa) - Die Ratingagentur Fitch will im Fall Griechenland kurzfristig einen teilweisen Kreditausfall feststellen und griechische Staatsanleihen herabstufen.

Hintergrund ist die auf dem Euro-Sondergipfel beschlossene Beteiligung privater Gläubiger an der Griechenland-Rettung, wie die Ratingagentur mitteilte. Man werde deshalb kurzfristig von einem «beschränkten Kreditausfall» (Restricted Default) ausgehen, erklärte Fitch. Nach der Abwicklung des geplanten Anleihentauschs werde das Rating «Beschränkter Kreditausfall» aufgehoben und die Bewertung der griechischen Kredite verbessert.

Am deutschen Anleihenmarkt reagierten die Kurse kaum auf die Fitch-Drohung, Anleger hatten den Schritt erwartet. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future fiel im frühen Nachmittagshandel minimal um 0,05 Prozent auf 126,95 Punkte.

Mit der Beteiligung des privaten Sektors sei eine neue Geschäftsgrundlage geschaffen worden, begründete die Ratingagentur ihre Einschätzung. Durch den geplanten Umtausch von griechischen Staatsanleihen in Papiere mit längerer Laufzeit werde der Anleger schlechter gestellt. Anschließend werde aber eine Anhebung erfolgen - die neue Kreditbewertung dürfte dann im niedrigen spekulativen Bereich liegen. Derzeit bewertet Fitch Griechenland mit der Note «CCC».

Grundsätzlich bewertet Fitch die Gipfelergebnisse jedoch positiv: «Die Verpflichtungen der Euro-Regierungschefs sind ein wichtiger und positiver Schritt, um die Finanzstabilität in der Eurozone zu sichern.» Fitch verweist insbesondere auf den vergrößerten Handlungsspielraum des Europäischen Rettungsmechanismus EFSF. Das neue Hilfspaket für Griechenland in Höhe von 109 Milliarden Euro, die gesenkten Zinsen und die Verlängerung der Kreditlaufzeiten unterstützten die Stabilität in der Eurozone und in Griechenland.

Die großen Ratingagenturen Fitch, S&P, und Moody's stehen seit Beginn der Finanz- und Schuldenkrise am Pranger. Nahezu der gesamte Weltmarkt für Kreditbewertungen wird von den drei großen Agenturen beherrscht. Kritiker monieren, mit ihren Herabstufungen würden sie Staaten in den Ruin treiben. Außerdem müssen sich die Agenturen gegen den Verdacht wehren, gezielt gegen Staaten der Eurozone vorzugehen. Von Ökonomen, aber vor allem aus der Politik wird gefordert, in Europa eine eigene Agentur als Konkurrenz zur amerikanischen Dominanz zu gründen.

Zuvor hatten an den internationalen Finanzmärkten die Beschlüsse des EU-Sondergipfels vom Vortag zu einer deutlichen Beruhigung geführt. An den Märkten werden die Ausweitung der Aufgaben des Euro-Rettungsfonds und der «Wiederaufbauplan» für Griechenland gemeinhin positiv gesehen. Die Anleger seien zum Wochenschluss wieder etwas risikofreudiger, sagten Händler.

EU / Finanzen / Ratingagenturen / Griechenland
22.07.2011 · 16:48 Uhr
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