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Krawall mit Blackberry, Aufräumen mit Twitter

Die jugendlichen Randalierer vernetzen sich mithilfe von Blackberry-Chats.

London/Berlin (dpa) - Früher stellten sich Aufrührer mit einem Megafon auf eine umgedrehte Kiste und heizten die Stimmung an. Heute nutzen sie moderne Technologien, um sich zum Randalieren und Plündern zu verabreden - so auch derzeit in England.

Doch nicht Twitter und Facebook sind laut Medienberichten das Mittel der Wahl, sondern vor allem ein geschlossener Chat-Dienst, der auf Blackberry-Handys läuft - diese sind bei britischen Jugendlichen populär.

Die Polizei nahm zunächst Twitter ins Visier. Sie kündigte am Montag an, Aufrufe zu Gewalt und Plünderungen über den Kurznachrichtendienst streng zu verfolgen. «Soziale Medien und andere Methoden wurden genutzt, um diese Ausmaße an Gier und Kriminalität zu organisieren», sagte Londons stellvertretender Polizeichef Stephen Kavanagh. Nach einem Bericht des «Guardian» bestätigte er zudem, dass Beamte nun gezielt nach Krawall-Aufrufen suchten. Diese würden ebenso bestraft wie mündliche Drohungen und wildes Plakatieren.

Indes ruderten einige Twitter-Nutzer schleunigst zurück, nachdem Medien ihre Kommentare aufgegriffen hatten. Der Nutzer «DanielNothing» schrieb zuerst: «Heading to Tottenham to join the riot! who's with me? #ANARCHY» (in etwa: Gehe nach Tottenham, um bei den Krawallen mitzumachen! Wer ist dabei?) Wenig später gab er an, mit seiner Freundin auf dem Sofa einen Film zu schauen. Und um ganz sicher zu gehen, folgte zusätzlich: «Ich gehe NICHT zu den Tottenham-Krawallen. Das war ein Witz. Vielleicht ein schlechter, aber trotzdem ein Witz.»

Andere User wie «AshleysAR» relativierten ältere Tweets. Zunächst kündigte er an: «I hear Tottenham's going coco-bananas right now. Watch me roll up with a spud gun :|» (in etwa: Ich höre, in Tottenham geht's ab. Schaut, wie ich mit meiner Kartoffelkanone andampfe.) Später fragte er pikiert, warum die Randalierer gegen ihre eigene Heimatgegend vorgingen.

Von Twitter- oder Facebook-Krawallen lässt sich in London kaum reden. Die Randalierer verabredeten sich stattdessen vor allem über den Chat-Dienst Blackberry Messenger (BBM), wie britische Medien berichten. Dieser erlaubt es, Nachrichten an geschlossene Nutzergruppen zu schicken. Ein Nutzer habe «jedermann von allen Seiten Londons» aufgefordert, Geschäfte in der berühmten Einkaufsstraße Oxford Street zu plündern, berichtete etwa der «Guardian»: «So come get some (free stuff!!!)», heißt es in der Nachricht - also in etwa: Kommt und bedient Euch.

Dass die Blackberrys so zweifelhafte Schlagzeilen machen, ist kein Zufall. Die Geräte des kanadischen Herstellers Research in Motion (RIM) - hier als ständiger Begleiter von Geschäftsleuten bekannt - sind unter den Jugendlichen auf der Insel sehr beliebt, wie eine aktuelle Studie der britischen Medienaufsicht Ofcom verdeutlicht: Von den 16- bis 24-Jährigen hat mehr als jeder Dritte (37 Prozent) eines. Das iPhone, unter älteren Erwachsenen die klare Nummer 1, kommt in dieser Altersgruppe nur auf einen Marktanteil von 25 Prozent.

RIM reagierte Montagabend mit einer dürren Mitteilung via Twitter. Das Unternehmen kündigte an, den britischen Behörden zu helfen - wie, ließen die Kanadier aber offen. «Wir fühlen mit den Betroffenen der Krawalle in London mit», versicherte der Blackberry-Betreiber.

Ein Zugriff auf die Mitteilungen des Blackberry Messengers wäre theoretisch möglich: Die Nachrichten werden laut dem Fachmagazin Heise vor der Übertragung verschlüsselt, sie lagern aber auf den Servern des Unternehmens und benutzen alle den gleichen Schlüssel. Allerdings ist unklar, ob RIM den riesigen Datenstrom überhaupt protokolliert und somit nachträglich Aufrührer finden könnte. Eine wichtige Unterscheidung: Die Blackberry Enterprise Services (BES), die viele Unternehmen für ihren E-Mail-Verkehr nutzen, gilt im Gegensatz zum Messenger als abhörsicher.

Gesellschaft / Gewalt / Kriminalität / Internet / Großbritannien
09.08.2011 · 19:19 Uhr
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