News
 

Kranker Bush in Heiligendamm: Gift oder Schnitzel?

Ehepaar BushGroßansicht
Washington/Heiligendamm (dpa) - Es ging ihnen richtig schlecht damals, 2007 in Heiligendamm. US-Präsident George W. Bush und seine Frau Laura mussten Termine absagen, ein «unerklärliches Unwohlsein» hatte das Paar während des G8-Gipfels in Deutschland befallen.

Jetzt deutet die ehemalige Präsidentengattin erstmals an, dass es sich um Gift gehandelt haben könnte. «Ich dachte, ich sterbe hier im Bett», wird Laura Bush vom Sender CNN zitiert.

In ihren Memoiren «Spoken From the Heart» (Aus dem Herzen gesprochen) berichtet die ehemalige First Lady, wie sie, ihr Mann und ein Teil des mitreisenden Stabes beim G8-Gipfel plötzlich erkrankten und das Bett hüten mussten. Ärzte und Geheimdienst hätten damals untersucht, ob es sich um eine Vergiftung handelte, eine endgültige Schlussfolgerung sei jedoch nicht gezogen worden, berichtete am Mittwoch (Ortszeit) der Sender, dem das Buch bereits vorliegt.

Danach erzählte Laura Bush, dass die US-Delegation kurz nach dem Abendessen von erheblichen Beschwerden befallen wurde. Kopfschmerzen, Übelkeit, ein Mitarbeiter habe auf einem Ohr nicht mehr gehört, ein anderer konnte plötzlich nicht mehr laufen. Bei George W. Bush traten Symptome erst am Morgen danach auf. «War es vielleicht ein schlechtes Schnitzel?» fragt der CNN-Moderator. Laura Bush aber bringt die Ereignisse in Zusammenhang mit dem Giftanschlag auf den früheren ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko und andere ähnliche Attentate in Europa.

Der Sprecher der in Heiligendamm tätigen Investorengruppe Fundus, Christian Plöger, sagte, der Verdacht von Laura Bush sei nicht nachzuvollziehen. Alle Speisen seien von den Sicherheitsbehörden vorgekostet worden. «Es ist wohl vielmehr der Versuch, mit einer Verschwörungstheorie den Absatz ihrer Memoiren ankurbeln zu wollen», vermutete Plöger. An der Hotelküche habe es jedenfalls nicht gelegen: Bush habe zur Genesung sogar eine Suppe aus der Küche geordert.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hatte eine andere Hypothese: «Möglicherweise war das ein oder andere Konfekt, das er mitgebracht hat, nicht mehr so gut oder er hat das deutsche Bier in dem Umfang nicht vertragen», sagte Caffier dem Sender NDR Info.

Der damalige Chefkoch im Grand Hotel, Tillmann Hahn, wies die Spekulationen zurück. Da auch die Delegation betroffen war, sei seine Beteiligung ausgeschlossen. «Wir haben niemals für Delegationsmitglieder gekocht, sondern nur für die Staats- und Regierungschefs und ihre Ehepartner», sagte er der dpa. Wenn man die Erkrankungen auf ein Essen zurückführen wolle, müsse dieses vor dem Gipfel eingenommen worden sein.

Frau Bush stellt in ihren Memoiren fest, dass nie bekanntgeworden sei, ob auch andere Delegationen in Heiligendamm erkrankt waren, «oder ob unsere, auf geheimnisvolle Weise, die einzige war». Eine Stellungnahme deutscher Behörden zu dem Bericht gab es zunächst nicht.

Die Memoiren kommen Anfang Mai auf den Markt, CNN hat nach eigenen Angaben bereits ein Exemplar vorliegen. Wie der Sender schildert, schreibt Laura Bush, dass ihr Mann in Heiligendamm einige Treffen versäumte, weil es ihm schlecht ging. «Fast ein Dutzend Mitglieder unserer Delegation war betroffen», zitiert CNN aus dem Buch. Der Geheimdienst sei «in höchster Alarmstufe» versetzt worden, habe die ganze Gegend nach möglichen Giftstoffen abgesucht. «George (Bush) war so krank, dass er bei einem Treffen mit (dem französischen Präsidenten Nicolas) Sarkozy nicht einmal aufstehen konnte, um ihn zu begrüßen.»

Das unerklärliche Unwohlsein hatte Bush am Freitagmorgen, dem letzten Gipfeltag in Heiligendamm befallen. Seine Berater sprachen damals von einer Magenverstimmung. Schon wurde die Erinnerung an George Bush senior wach, der 1992 bei einem Besuch in Japan an einer Magen-Darm-Grippe litt und spektakulär zusammenbrach. Bush junior nahm allerdings schon am selben Tag wieder am Mittagessen der G8 teil, flog dann nach Polen weiter und besuchte am folgenden Samstag den Papst in Rom. Auch dort war er, wie ein Sprecher sagte, noch nicht zu 100 Prozent fit. «Aber er sieht schon sehr viel besser aus als gestern», hieß es damals.

CNN-Seite: http://dpaq.de/VoU0X

Präsident / USA / Deutschland
29.04.2010 · 17:50 Uhr
[17 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen