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Krankenversicherung wird auf breiter Front teurer

Verband erwartet ZusatzbeiträgeGroßansicht
Berlin (dpa) - Die meisten der rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten müssen im kommenden Jahr voraussichtlich höhere Beiträge zahlen. Der Kassen-Spitzenverband kündigte Zusatzprämien auf breiter Front an und warf Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) falsche Prioritäten vor.

Rösler hielt den Kassen Schwarzmalerei vor. Die Kassen hätten 1,4 Milliarden Euro Zuschüsse erzielt. Mit ihrer Forderung nach Ausgaben-Bremsen provozierte die Chefin des GKV- Verbands, Doris Pfeiffer, heftigen Widerspruch der Koalition von Union und FDP. Ein Großteil der 8,7 Millionen Privatversicherten muss bereits zu Jahresbeginn teils deutlich mehr zahlen.

«Die Finanzlage der Kassen ist zwar unterschiedlich, aber die Lage ist überall kritisch», sagte Pfeiffer der «Berliner Zeitung». Allein die DAK verzeichnete im dritten Quartal ein Minus von 77 Millionen Euro. Trotz der geplanten Erhöhung des Steuerzuschuss um 3,9 Milliarden Euro fehlten 2010 rund 4 Milliarden, so Pfeiffer. «Ich gehe deshalb davon aus, dass wir im nächsten Jahr im großen Maße Zusatzbeiträge bekommen werden.» Rösler setze mit der Vorbereitung eines neuen Einnahmesystems falsche Prioritäten. «Wir müssen endlich die Kosten in den Griff bekommen.»

Rösler hielt dem entgegen, die Kassen hätten bis Oktober 1,4 Milliarden Euro Überschüsse erzielt. Alleine die AOK hätten ein Plus von rund 900 Millionen Euro verbucht, sagte er der «Süddeutschen Zeitung» (Freitag). Die Ersatzkassen wie Barmer, TK, DAK verzeichnen gemeinsam dagegen nur 20 Millionen Euro Überschuss.

«Die Zahlen sehen jedenfalls besser aus als man sie noch im Herbst 2008 geschätzt hat», sagte der Minister. Er deutete an, die Entwicklung werde 2010 anhalten. «Wir werden bald sehen, wie viele Kassen tatsächlich einen Zusatzbeitrag erheben müssen», betonte er. Nach der offiziellen Finanzschätzung nächste Woche würden wohl auch die Kassen die Lage weniger düster sehen. Gesundheitsstaatssekretär Daniel Bahr (FDP) sagte der Berliner Zeitung «B.Z.»: «Wir rechnen damit, dass im nächsten Jahr einzelne Krankenkassen Zusatzbeiträge erheben müssen.»

Unions-Gesundheitsexperte Jens Spahn (CDU) warf Kassenfunktionären vor, von ihrer Verantwortung abzulenken. Sparmöglichkeiten würden aber ausgelotet. Nach Ansicht der FDP-Fachpolitikerin Ulrike Flach müssen zunächst die Kassen nach Einsparpotenzial suchen, wie sie der «Welt» (Freitag) sagte. Pfeiffer forderte hingegen eine gesetzliche Pflicht der Arzneihersteller zu Preisverhandlungen, so dass teure Spezial-Medikamente günstiger werden. Außerdem müsse es bei den Apotheken mehr Wettbewerb geben.

SPD-Experte Karl Lauterbach unterstützte Pfeiffer. Mit der Ankündigung, dass es keine Sparvorschläge gebe, habe Rösler einen ersten Fehler gemacht. «Damit müssen die Krankenkassen mit einem ungebremsten Kostenanstieg rechnen», sagte er in n-tv. Martina Bunge, Gesundheitsexpertin der Linken, warf der Koalition vor, Zusatzbeiträge als kleine Kopfpauschalen sogar positiv zu sehen.

Die Bremer hkk mit 219 000 Mitgliedern beschloss als erste Kasse die Ausschüttung einer Beitragsprämie von 60 Euro. Grund ist, dass die hkk für das Jahr 2009 einen Rekord-Überschuss von 26 Millionen Euro erwartet. Kassen in Not können Zusatzbeiträge erheben, gut dastehende Versicherungen Geld - wie nun die hkk - zurückzahlen.

Bei den Privatkassen liegen die Durchschnitts-Steigerungen zum Jahreswechsel nach Branchenangaben zwischen knapp drei und mehr als acht Prozent. «Es hat tendenziell zugenommen, dass Mitglieder von Erhöhungen im zweistelligen Bereich berichten», sagte der Chef- Berater des Bundes der Versicherten, Jens Trittmacher, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Bei der DKV zahlen Versicherte zum Beispiel künftig im Schnitt acht Prozent mehr, bei der Victoria sind es sechs Prozent, wie die Ergo Versicherungsgruppe mitteilte. «Es gibt aber auch Tarife mit über 20 Prozent.»

Gesundheit / Krankenkassen
03.12.2009 · 17:51 Uhr
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