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Krankenhäuser müssen mit Streiks rechnen

Bei den Tarifverhandlungen für die 55 000 Ärzte an kommunalen Krankenhäusern hat es keine Einigung gegeben.Großansicht
Düsseldorf (dpa) - Auf die kommunalen Kliniken in Deutschland kommen nach vier Jahren erneut Streiks zu. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) erklärte am Donnerstag in Düsseldorf nach fast 30-stündigen Verhandlungen das Scheitern und den Abbruch der Tarifverhandlungen für die 55 000 Ärzte in den 800 Kliniken. Die Arbeitgeber kritisierten die Entscheidung scharf. Der Marburger Bund lasse ernsthaften Einigungswillen vermissen, teilte die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) mit.

«Wir bereiten damit Streiks vor», sagte Marburger-Bund-Chef Rudolf Henke. MB-Verhandlungsführer Lutz Hammerschlag machte die Arbeitgeber für das Scheitern verantwortlich: «Bis zur Stunde liegt nicht einmal ein förmliches Angebot der Arbeitgeber vor», sagte er am Donnerstagabend. Mit dieser Haltung seien Streiks unvermeidlich.

Nach Ansicht des VKA werden unter den angekündigten Streiks «in erster Linie unbeteiligte Patienten leiden». Der Marburger Bund trage der schwierigen wirtschaftlichen Situation keine Rechnung und lasse jedes Verantwortungsbewusstsein vermissen.

Der VKA kritisierte, dass am Donnerstagmorgen ein gemeinsamer Verhandlungsstand erreicht worden sei, den der Marburger Bund am Nachmittag wieder aufgekündigt habe. «Dieses Vorgehen ist in Inhalt und Stil in keiner Weise akzeptabel», sagte VKA-Verhandlungsführer Joachim Finklenburg.

Der Sondierungsstand habe vorgesehen, die Ärztegehälter um 2,9 Prozent bei einer Laufzeit von 36 Monaten zu erhöhen. Die Vergütung des Bereitschaftsdienstes sollte zwischen 16 und 20 Prozent steigen, zusätzlich sollten Zuschläge für Nachtarbeit eingeführt werden.

Der Marburger Bund war zuvor unter anderem mit einer Forderung von fünf Prozent mehr Gehalt in die Gespräche gegangen. Die Arbeitgeber hatten - orientiert an der Tarifeinigung für den öffentlichen Dienst - ein Plus von insgesamt 2,3 Prozent für 26 Monate vorgesehen. Die Ärztegewerkschaft hatte ihre Forderung mit der massiven Abwanderung von Ärzten ins Ausland sowie tausenden unbesetzten Stellen begründet.

Henke sagte, die Ärztegewerkschaft richte sich nun auf eine lang anhaltende Auseinandersetzung ein. «Wir müssen mit noch größerer Entschlossenheit in die Aktionen als 2006.» Schlimmer wäre es aber, wenn sich der Exodus der Ärzte aus den kommunalen Kliniken fortsetze.

Ärzte / Tarife
08.04.2010 · 21:25 Uhr
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