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Kraft kennt die Ängste: Sohn war auch dabei

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft trägt sich im Landtag in Düsseldorf in ein Kondolenzbuch für die Opfer von Duisburg ein.Großansicht

Düsseldorf (dpa) - Seit Tagen stehen Hannelore Kraft Trauer und Entsetzen über die Tragödie von Duisburg ins Gesicht geschrieben.

Auch am Dienstag, als sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin in ein Kondolenzbuch des Landtags einträgt, sitzt sie still und ernst vor dem Trauerdokument und sortiert ihre Gedanken. Die Politikerin will innehalten - keine Interviews für die Presse.

Die 49-Jährige weiß aus eigenem Erleben um die Ängste und die Verzweiflung tausender Eltern, die am Samstag nicht wussten, ob auch ihre Kinder in der Todesfalle von Duisburg gefangen waren. Stundenlang bangte Kraft um ihren 17-Jährigen Sohn Jan und dessen Freunde, die ebenfalls Gäste der Loveparade waren. Während die Ministerpräsidentin Leitstellen und Krisenstäbe von Polizei und Feuerwehr besuchen musste, versuchte die Mutter vergeblich ihren eigenen Jungen zu erreichen.

Jan und seine Freunde entkamen dem Hexenkessel auf dem Duisburger Festivalgelände. Auch aus seinen Schilderungen weiß die Politikerin aber hautnah, wie die Loveparade zum Horrortrip mutierte. Die Tränen, die flossen, als sie am Sonntag Blumen an der Unglücksstelle mit den weiß umrandeten Körperzeichnungen auf dem Boden niederlegte, zeugten von Mitleiden in wörtlichem Sinne. Auch in den Tagen danach bleibt Kraft nah dran. Sie ist am Dienstagabend die erste, die das 20. Todesopfer der Katastrophe bestätigt.

Ihrem Mitgefühl, Zorn und Unverständnis über die Ereignisse geben auch Andere im Kondolenzbuch des Landtags Ausdruck. «Traurig und wütend über das Unvermögen größenwahnsinniger Politiker», hinterlässt ein unbekannter Schreiber. «Es ist so furchtbar, so entsetzlich», lautet der Eintrag von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). «Meine Heimatstadt trauert.» Viele andere Minister, Fraktionsspitzen und Mitarbeiter hinterlassen ebenfalls Botschaften in dem schwarzen Buch.

«Ich selbst war dabei und bin zutiefst bestürzt, wie man auf der einen Seite feiern konnte, während Andere ihr Leben verloren bzw. um dieses kämpften», schreibt eine Mitarbeiterin der CDU-Landtagsfraktion.

Für die CDU ist die Tragödie von Duisburg auch kommunalpolitisch brisant. In den vergangenen Tagen mehrten sich die Rücktrittsforderungen gegen ihren einzigen Oberbürgermeister im Herzen des Ruhrgebiets, Adolf Sauerland. Die Parteispitze in Düsseldorf hält aber zunächst still. Lediglich der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl (CSU), hält politische und persönliche Konsequenzen der Verantwortlichen nach der Katastrophe für «unausweichlich».

«Ich warne vor selbstgerechten, schnellen Urteilen, bevor die Fakten überhaupt klar sind», sagt dagegen der Generalsekretär der NRW-CDU, Andreas Krautscheid, auf dpa-Anfrage. Auch andere Spitzenpolitiker der Partei wollen auf den Landtagsfluren keine Rücktrittsforderungen erheben.

«Ich möchte nicht in seiner Haut stecken», sagt ein Mitglied der alten schwarz-gelben Landesregierung zu Sauerlands Situation. Ein Rücktritt hätte nicht nur für Sauerland persönlich, sondern sehr wahrscheinlich auch für die CDU unangenehme Konsequenzen. Nach der großen öffentlichen Entrüstung müsste die CDU bei Neuwahlen um ihren letzten OB-Stuhl im Zentrum des «roten Ruhrgebiets» bangen.

Notfälle / Loveparade / Landtag
28.07.2010 · 00:06 Uhr
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