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«Krachtige coordinatie» oder «Gouvernement économique»?

Brüssel (dpa) - Es war nicht wirklich der EU-Gipfel von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Erst musste er hinnehmen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel in der griechischen Schuldenkrise weitgehend Regie führte.

Und dann moserte auch noch der britische Premier Gordon Brown über den Begriff «Wirtschaftsregierung» in der Gipfel-Erklärung zum Griechenland-Notfallplan. Mit der Konsequenz, dass der Begriff über Nacht aus dem Entwurf erstmal verschwand.

Und weil man sich wie so oft nicht einig war, wie das Kind denn nun heißen soll, durfte sich jeder der 27 Staats- und Regierungschef die passende Formulierung in seiner Muttersprache aussuchen.

«Wir sind der Auffassung, dass der Europäische Rat die Wirtschaftsregierung der Europäischen Union werden sollte», hieß es zunächst. «Le gouvernement économique», wie der Franzose sagt.

«Wir sind der Ansicht, dass der Europäische Rat die wirtschaftspolitische Steuerung der Europäischen Union verbessern muss», lautete dann die deutsche Schlussversion.

Um das Wort «Wirtschaftsregierung» machten auch die Briten und Niederländer ein Bogen und suchten Formulierungen der deutschen Version ähnlich. «Krachtige coordinatie», heißt es nun im niederländischen Text.

Wortklauberei? Mitnichten. Frankreichs politische Elite, und ganz besonders Sarkozy, träumt von einer starken gemeinsamen Wirtschaftspolitik für Europa - natürlich unter maßgeblicher Führung der Regierung in Paris. Dahinter steckt die Philosophie eines starkes, gestaltenden (französischen) Staates. Und dazu passen beispielsweise die Ausfälle von Sarkozys Wirtschaftsministerin Christine Lagarde gegen die deutschen Exportstärke, unter der der Rest Europas leide. Lagarde riet der Bundesregierung doch mal eben, die Nachfrage deutscher Verbraucher und Unternehmen zu stimulieren.

Und nicht nur die Bundesregierung findet solche Vorschläge befremdlich. Gordon Brown gefiel «Wirtschaftsregierung» so gar nicht. Wie Diplomaten sagten, erreichte der britische Premier, der im Wahlkampf seinen euro-skeptischen Landsleuten tunlichst nicht allzu viel Europa zumuten darf, dass das Un-Wort aus der Erklärung verschwand. Zu der auch als «Freihändler» etikettierten Gruppe von EU-Staaten um Großbritannien gehören auch die Schweden, Iren, Niederländer und Polen. Sie halten es lieber mit den Kräftespielen der Märkte.

EU / Gipfel
26.03.2010 · 13:29 Uhr
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