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Konjunkturexperte: Deutsche Wirtschaft gut gerüstet

Kiel (dpa) - Trotz der guten Konjunkturdaten warnt der Wirtschaftsforscher Joachim Scheide vor Euphorie. «Die Krise ist noch nicht vorbei», sagte der Konjunkturexperte vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Gleichwohl sei Deutschland für die Überwindung der Krise besser gewappnet als viele andere Länder.

Als Gründe nannte der Wissenschaftler die Exportkraft der Wirtschaft und das niedrigere Haushaltsdefizit. Zudem gebe es in Deutschland keine Immobilienblase. 2010 insgesamt könne das Wirtschaftswachstum in die Nähe von 3 Prozent kommen.

«Das ist höher, als die meisten bis vor kurzem erwartet haben», sagte Scheide. «Im Juni hatten wir 2,1 Prozent prognostiziert, und galten da schon als optimistisch.» Das Plus von 2,2 Prozent im zweiten Quartal sei eine große Überraschung. «Es ist aber nicht zu erwarten, dass es in diesem Tempo weitergeht - das wäre unnatürlich.» Das Bruttoinlandsprodukt habe auch noch nicht wieder das Niveau aus der Zeit vor der Krise erreicht.

Es gebe auch anhaltende Risiken, sagte Scheide. Dazu zählten die schwächere Konjunktur in den USA und China. «Das wird uns auch betreffen, das heißt, es wird schon deutlich langsamer vorangehen in den nächsten Quartalen.» Deutschland könne aber optimistisch sein und werde relativ gut dastehen.

Wegen der starken Exportabhängigkeit sei Deutschland im vorigen Jahr vom Einbruch des Welthandels besonders stark betroffen gewesen, erläuterte der Konjunkturexperte. «Das schwappt nun ins Gegenteil um, deshalb stehen wir auch besser da als andere Länder.» Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit sei insgesamt nach wie vor sehr gut. «Uns hat besonders geholfen, dass die Unternehmen sehr stark engagiert sind in Schwellenländern, zum Beispiel in Asien. Das sind die Regionen, die in den vergangenen Quartalen besonders stark gewachsen sind.»

Die Binnenkonjunktur sei zuletzt auch etwas besser gelaufen, sagte Scheide. «Es ist aber noch kein Durchbruch zu erkennen beim privaten Konsum, der läuft noch relativ mau. Aber die Investitionen scheinen wieder anzuziehen, doch da gibt es noch keine genauen Zahlen.»

Zu den politischen Rahmenbedingungen meinte Scheide, das Haushaltsproblem in Deutschland sei zwar gravierend angesichts hoher Defizite. «Aber diese sind niedriger als in den meisten anderen Ländern, wo sie zum Teil doppelt so hoch sind und sehr viel mehr getan werden muss, um zu sparen.» Deutschland sollte mit dem Sparen auf keinen Fall nachlassen, nur weil die Zahlen derzeit gut sind. «Wenn wir jetzt in den Fehler verfallen würden zu sagen "Die Konjunktur läuft ja gut, da brauchen wir nicht zu sparen", dann bekommen wir mittelfristig höhere Defizite, die wir dann in schlechten Zeiten wieder beschleunigt abbauen müssten.»

Der Kieler Wissenschaftler sieht international noch weitere Risiken: «So ist die Krise im Euro-Raum nicht ausgestanden. Sie kann jederzeit wieder aufbrechen, wenn klar sein sollte, dass Griechenland oder ein anderes Land die Bedingungen nicht erfüllt und die Schulden nicht zurückzahlen kann.» Auch sei weltweit die Staatsverschuldung sehr hoch. «Das kann sein, dass die Märkte irgendwann nervös werden und es dann zu sehr stark steigenden Zinsen kommt.»

Konjunktur / BIP
13.08.2010 · 22:44 Uhr
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