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Konferenz in Durban - Die Ex-Klimakanzlerin

Es war der Höhepunkt ihrer ersten Jahre als Kanzlerin: 2007 empfing Angela Merkel im Ostseebad Heiligendamm die Regierungschefs der G8-Staaten. George W. Bush gab sich die Ehre, Wladimir Putin, Tony Blair und natürlich Merkels inzwischen engster Bündnispartner Nicolas Sarkozy. Die Kanzlerin blühte auf in ihrer Rolle als Gastgeberin der großen Politik. Sie war die Vermittlerin, die mit jedem der starken Männer konnte, und sie profilierte sich mit einem eigenen Thema: dem Klimaschutz.

«Klimakanzlerin» wurde Angela Merkel in dieser Zeit genannt. Das war kein Schimpfwort, sondern eine Auszeichnung, und man kann sicher sein, dass Angela Merkel diese Auszeichnung genoss. Endlich hatte sie, der so oft in ihrer politischen Karriere Profillosigkeit vorgeworfen wurde, ein echtes Thema gefunden.

Umso erstaunlicher ist es, dass vier Jahre später von der Klimakanzlerin nichts übrig zu sein scheint. Während im südafrikanischen Durban die UN-Klimakonferenz stattfindet, die als letzte Chance gilt, doch noch verbindliche Klimaziele zu vereinbaren, bevor der Kyoto-Vertrag ausläuft, verweilt die Kanzlerin im heimischen Europa. Dort ist der Euro in Gefahr und die Rettung der gemeinsamen europäischen Währung steht auf der Prioritätenliste der Kanzlerin momentan ganz oben.

Ist die Euro-Krise dringender als der Klimawandel?

Damit liegt die Kanzlerin mit Sicherheit nicht falsch. Die Euro-Krise muss dringend gelöst werden und Merkel ist neben dem französischem Präsidenten Nicolas Sarkozy die treibende Kraft. Bei aller Wichtigkeit in Sachen Euro sollte die Kanzlerin ihre ursprünglichen Klimaziele aber nicht völlig aus den Augen verlieren, denn ihre Expertise ist gefragter denn je. Die Bundeskanzlerin kennt sich aus: Sie war als Umweltministerin von 1994 bis 1998 maßgeblich an den Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll beteiligt und weiß um die Dringlichkeit im Kampf gegen den Klimawandel.

Und sie weiß aus eigener Erfahrung, wie eine Klimakonferenz funktioniert. Vor diesem Hintergrund war es seltsam, dass die Kanzlerin am Sonntag, also direkt vor Beginn der entscheidenden Konferenzen in der zweiten Durban-Woche, verkündete, dass sie nicht mit einem Erfolg rechne. Ein fatales Signal an diejenigen, die ernsthaft um einen Nachfolgeabkommen für Kyoto ringen. Die Ex-Klimakanzlerin fällt damit allen, die noch hoffen, in den Rücken.

Umweltschützer reagierten enttäuscht. «Ohne Not gefährdet sie den Erfolg dieser Konferenz», sagte Ann-Kathrin Schneider vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Greenpeace-Klimaexpertin Anike Peters sagte: «Die einstige Klimakanzlerin jettet derzeit von einem Euro-Rettungs-Termin zum nächsten - ein solches Engagement für das dringend benötigte Weltklimaabkommen sucht man bei ihr vergeblich.» Und Jürgen Trittin, Fraktionschef der Grünen: «Merkel gibt auf, ohne je gekämpft zu haben.» Noch dazu verfolgt Norbert Röttgen, als Merkels Abgesandter vor Ort, genau dieselbe politische Linie. Die von China Anfang der Woche signalisierte Kompromissbereitschaft tat der Umweltminister als wertlos ab.

Vielleicht haben Merkel und Röttgen sogar Recht. Vielleicht sind die Verhandlungen in Durban wirklich von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Kanzlerin machte 2009 die negative Erfahrung, mit großen Ansprüchen zur Klimakonferenz nach Kopenhagen zu reisen und dann ohne jeden Erfolg zurückzukehren. Verständlich, dass sie so einen Reinfall nicht noch einmal erleben will.

Aber in Sachen Klima geht es nicht um die Person Angela Merkel oder ihr politisches Ansehen, sondern - auch wenn das pathetisch klingen mag - um die Rettung der Welt. Diese Aufgabe ist natürlich zu groß für einen einzelnen Menschen, auch für die Klimakanzlerin. Aber es wäre ein deutliches Zeichen, wenn sie es wenigstens versucht.

[news.de] · 08.12.2011 · 10:44 Uhr
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