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Kohl wird 80: «Ich habe immer hart kämpfen müssen»

Altbundeskanzler Helmut Kohl stellt am 16.11.2007 in Berlin den dritten Band seiner Lebenserinnerungen vor.Großansicht
Berlin (dpa) - Zu seinem 80. Geburtstag hat sich Altkanzler Helmut Kohl nach langem Schweigen dankbar, aber auch mit Bitterkeit über sein politisches Leben geäußert.

«Ich habe immer hart kämpfen müssen, mir ist nichts geschenkt und ich bin immer unterschätzt worden», sagte der langjährige CDU-Vorsitzende der «Bild»-Zeitung (Samstag).

Zu seinem Geburtstag an diesem Samstag würdigten ihn Prominente aus dem In- und Ausland sowie Wegbegleiter und politische Konkurrenten. Größte Anerkennung bekommt er für seine Verdienste um die Deutsche Einheit und die europäische Einigung. Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel sagte, er werde als großer Staatsmann in die Geschichte des 20. Jahrhunderts eingehen.

Kohl feiert privat in Ludwigshafen. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands nach einer Gallenblasenoperation Anfang des Jahres hatten die Bundes-CDU und die Regierung Pläne für Festakte in Berlin abgesagt. Eine zentrale Geburtstagsfeier ist für den 5. Mai in Ludwigshafen geplant. Dazu werden 1000 Gäste erwartet.

Der Altkanzler wirft Politik und Gesellschaft in der «Bild»-Zeitung vor, heute Chancen für Deutschland zu verspielen. «Wir Deutschen haben alle Ressourcen und Möglichkeiten, wir haben bewiesen, dass wir leistungsfähig sind - und verlieren uns heute doch vor allem in einem Lamento und Klein-Klein, das ich nicht nachvollziehen kann.»

Er erklärte, er blicke mit Dankbarkeit und Glück auf sein Leben. «Die wichtigsten Entscheidungen würde ich alle wieder so treffen (...) Dafür bin ich dankbar, und das empfinde ich als großes Glück.» Über sein Verhältnis zur CDU und die Frage des Ehrenvorsitzes sagte er: «Wenn Sie ihr Leben lang für eine Partei und ein Land gelaufen sind, und dann feststellen, dass auch Menschen, die zuvor nicht nahe genug heranrücken konnten, sich plötzlich abwenden, ja, sich sogar gegen Sie stellen, weil Sie einen Fehler gemacht haben, da muss ich sagen, da habe ich manches Mal gehadert, allerdings weniger mit dem Schicksal - das ist auch wahr - als vielmehr mit den Menschen.»

Kohl war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler. Die CDU führte er von 1973 bis 1998. Seinen Ehrenvorsitz hatte er Anfang 2000 nach knapp zwei Jahren auf Druck der Parteispitze zurückgegeben. Dem vorausgegangen war die Affäre um Spenden, die Kohl für die CDU angenommen und den Geldgebern sein Ehrenwort gegeben hatte, ihre Namen nicht zu nennen. Forderungen aus der Partei vor seinem 80. Geburtstag, ihm erneut den Ehrenvorsitz anzutragen, lehnt Merkel ab.

Merkel dankte Kohl am Freitag als Kanzlerin und im Namen der CDU für seinen «leidenschaftlichen persönlichen Einsatz» und «unumstößlichen Glaube an eine Zukunft Deutschlands und Europas in Einheit und Freiheit». Der Blick auf die Herausforderungen, die Kohl und die Politiker seiner Generation zu bewältigen hatten, helfe ihr und anderen Politikern heute dabei, ihre Aufgaben bewältigen zu können. «Denn wir wissen, dass in der Geschichte unseres Landes schon ganz andere Aufgaben gemeistert wurden», schrieb Merkel.

Im ARD-«Deutschland-Trend» erhielt Kohl für seine Arbeit gute Noten von der Bevölkerung. 59 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass er ein guter Kanzler war, 33 Prozent teilen dies nicht. Kohl genießt damit höheres Ansehen als sein SPD-Nachfolger Gerhard Schröder. Allerdings reicht Kohl nicht an seine Vorgänger heran.

Ex-US-Präsident George Bush sen. nannte Kohl im «Mannheimer Morgen» einen der einflussreichsten deutschen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Bushs damaliger sowjetischer Amtskollege Michail Gorbatschow betonte in der Zeitung: «Uns verbindet, dass wir an einem Wendepunkt der Weltgeschichte zusammen mit den Führern anderer europäischer Staaten und der USA die Kraft gefunden haben, entschlossen den Weg der Zusammenarbeit einzuschlagen und zum Ende des kräfteraubenden Kalten Krieges beizutragen.» Auch Ex-Kanzler Helmut Schmidt (SPD) würdigte Kohl in einem «Stern»-Sonderheft für seine Verdienste im Herbst 1989: «Er hat seine Sache erstklassig gemacht.» Danach sei ihm aber «eine Kette von Fehlern» unterlaufen.

Parteien / CDU / Personalien
02.04.2010 · 13:26 Uhr
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