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Köln verzichtet auf Fluten der Skandalbaustelle

Bauarbeiter inspizieren die gefährdete U-Bahn-Baustelle am Heumarkt in Köln.Großansicht
Köln (dpa) - Die Stadt Köln verzichtet voraussichtlich auf das Fluten einer durch Baupfusch gefährdeten U-Bahn-Baustelle. Der Rheinpegel steige nur noch so langsam, dass wohl rechtzeitig eine stabilisierende Betondecke eingezogen werden könne, sagte Stadtsprecher Gregor Timmer am Sonntag.

Am Samstag war eine geplante Flutung im letzten Moment abgesagt worden. In der Skandalbaustelle fehlen teilweise mehr als 80 Prozent der stabilisierenden Eisenbügel. Deshalb kann der Druck durch das steigende Grundwasser zum Problem werden.

Nach «Spiegel»-Informationen war der Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau möglicherweise von höherer Stelle einkalkuliert, um Geld zu sparen. Für die Ermittler verdichteten sich die Hinweise, dass der Baupfusch nicht nur das Werk einzelner Mitarbeiter gewesen sein könne, berichtet das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Inzwischen seien auch gefälschte Protokolle von einer Baustelle aufgetaucht, auf der die bisher verdächtigten Arbeiter gar nicht tätig gewesen seien. Flächendeckende Schlamperei bei der Bauausführung könne nach Expertenmeinung ein Hinweis darauf sein, dass hier «systematisch mit Rückendeckung» gehandelt worden sei. Der federführende Baukonzern Bilfinger Berger bestreitet dies.

Auch IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel glaubt, dass für die gravierenden Mängel beim Kölner U-Bahn-Bau nicht nur einzelne Arbeiter verantwortlich gewesen sein können. In einem Interview mit dem «Mannheimer Morgen» sagte der Gewerkschaftschef, ein solcher Pfusch wie in Köln sei nur denkbar, «wenn ein ganzes System beteiligt ist».

Die skandalumwitterte Nord-Süd-Stadtbahn wird seit 2003 parallel zum Rhein unter der 2000 Jahre alten Kölner Altstadt gebaut. An der Baustelle Waidmarkt stürzte vor einem Jahr das Historische Stadtarchiv ein, zwei junge Anwohner starben.

Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) sind Bauherr des Projekts, das sich inzwischen auf gut eine Milliarde Euro verteuert hat. Im Zusammenhang mit dem Pfusch ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft in drei Verfahren gegen insgesamt zwölf Verdächtige.

Für die stabilisierende Betondecke in der U-Bahn-Baugrube Heumarkt sollen Montag und Dienstag 2850 Kubikmeter schnell härtender Beton verarbeitet werden. Dazu sind 500 bis 600 Fahrten von Betonmischern nötig. Das Betonieren soll bis Dienstagabend abgeschlossen sein. Der Höchststand des Rheins wird für Dienstag erwartet: Bis zu 7,50 Meter sind möglich. Am Sonntagvormittag waren es 6,35 Meter.

In der U-Bahn-Baustelle lag der Grundwasserstand bei 38,79 Meter. Ein kritischer Grundwasserstand von 39,50 Metern wird nach Berechnungen vom Sonntag frühestens am Mittwoch erreicht. Dann soll die Betondecke aber bereits fertig sein und die Baustelle gegen den Grundwasserdruck ausreichend schützen.

Kriminalität / U-Bahn
28.02.2010 · 13:35 Uhr
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